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Die Kirchenorgel in der Pfarrkirche St. Stephanus - einst ein Meisterwerk des modernen Orgelbaus

Vor siebzig Jahren ist nicht nur der Ort Neu-Wackersdorf mitsamt der katholischen Kirche St. Stephanus eingeweiht worden, auch eine neue Kirchenorgel bekam den kirchlichen Segen durch den damaligen Geistlichen, Pfarrer Hermann Köstlbacher. Genauer gesagt, war es Sonntag, der 06. Juli 1952. Nun tut sich in den letzten Wochen wieder einiges zu dieser Orgel, einer sogenannten Steinmeyer Orgel. Die betagte Dame bedarf nämlich einer umfangreichen Sanierung und dazu hat sich nunmehr ein eigener Verein („Verein zur Förderung der Kirchenmusik an St. Stephanus in Wackersdorf e.V.“) etabliert. Dies ist natürlich auch Anlass, Rückschau auf den Werdegang dieses wertvollen Instruments, der Königin der Instrumente, zu halten.

Ausgangspunkt war eine Schenkung der seinerzeitigen Bayernwerk AG, ausdrücklich gesagt, übergab der damalige Generaldirektor und spätere Ehrenbürger von Wackersdorf, Leonhard Wolf,

die Orgel an den Ortspfarrer, der sie um 1/2 12 Uhr weihte, wie der Chronist Joseph Rappel im Wackersdorfer Heimatbuch dokumentierte. Steinmeyer Orgeln waren nicht nur damals eine Rarität; die Berühmtheit der im bayerischen Oettingen beheimateten Orgelbauer gilt bis in die Neuzeit, wenngleich diese Art von Orgeln heutzutage nicht mehr Anwendung findet; im übrigen existiert diese Firma nicht mehr und nur eine Stiftung erinnert an die Vergangenheit der legendären Orgelbaufamilie.

 

 

Die Steinmeyer haben aber nicht nur die Wackersdorfer Orgel geschaffen, in mehr als 154 Jahren Firmengeschichte wurden nahezu 2400 Orgeln sowie 6000 Harmonien  entwickelt.

Auch Europas größte Orgel, die Passauer Domorgel, stammt aus dem Hause C. F. Steinmeyer & Co., das einst im Jahr 1847 in Oettingen gegründet wurde und nach vier Familiengenerationen im Jahre 2001 den Betrieb einstellte.

Steinmeyer war bis zum Schluss die größte Orgelbaufirma in Bayern und eine der Größten weltweit. Heute findet man in allen Erdteilen diese Orgeln, wie aus einem Internetbeitrag der Steinmeyer Vermögensverwaltung hervorgeht.  Diese Firma verwaltet den historischen Gebäudebestand sowie das Inventar; von besonderer Bedeutung ist jedoch die Bewahrung und Verwaltung des „weltweit einmaligen Orgelbauarchives“.

Kirchenmusik wird in Wackersdorf übrigens seit altersher gepflegt und gelebt. Während in Kronstetten 1860 eine Orgel neu angeschafft wurde, waren damals die bestehenden Orgeln in Steinberg und Wackersdorf „gut, doch brauchen sie das Stimmen“, wie Joseph Rappel im Wackersdorfer Heimatbuch festhielt. Schon im Jahre 1901 hatte das damalige 870 Seelen zählende Dorf dann eine neue Orgel erhalten. 2200 Mark mussten bereits seinerzeit für das von Orgelbauer Ludwig Edenhofer aus Deggendorf erstellte Werk aufgewendet werden. In dieser Zeit hatte der Mesner die Chormusik zu verrichten. Des Weiteren musste der Mesner u.a. die Kirche öffnen, schließen und reinigen sowie die Turmuhr täglich aufziehen und zu vorgeschriebenen Zeiten läuten.

Dass Wackersdorf noch eine zweite Orgel der berühmten Orgelbaufirma Steinmeyer zum Vorzeigen hat, dürfte Vielen nicht geläufig sein. Seit dem Jahre 1970 schmückt nämlich eine aus dem Jahre 1944 stammende Steinmeyer-Orgel die evangelische Friedenskirche an der Sportplatzstraße. Für 6000 Mark wurde diese Orgel mit sechs Registern, die einst in der Schlosskirche der Evangelischen Akademie Tutzing stand, erworben.

Doch zurück zum Orgelwerk in der Stephanuskirche, das zwei Manuale und ein Schwellwerk besitzt und folgende Register einschließlich Koppel vorweist:

Posaune 16‘

Kontrabass 16‘

Subbass 16‘

Zartbass 16‘

Prinzipalbass 8‘

Gedecktbass 4‘

Choralbass 4‘

Rohrpfeife 2‘

Grobgedeckt 8‘

Gemshorn 8‘

Koppelflöte 4‘

Ital. Prinzipal 4‘

Waldflöte 2‘

Oktavlein 1‘

Sesquialter 2 2/3 uns 1 2/3‘

Großmixtur 2‘

Franz. Oboe 8‘

Tremulant

 

Rohrflöte 8‘

Kleingedeckt 4‘

Oktav 4‘

Superoktav 2‘

Mixtur 1 2/3‘(1 1/2‘)

Manualkoppel II-1

Pedalkoppel II

Pedalkoppel I

Pommer 16‘

Prinzipal 8‘

Salizional 8‘

Rauschpfeife 2 2/3

Trompete 8‘

Dazu kommen noch die Druckknöpfe für freie Kombination, Handregister, Zungen, Tutti, Hauptwerk.

Insgesamt verfügt die Orgel, die in mehr als 10 000 Arbeitsstunden geschaffen wurde, über 1759 Pfeifen, wobei die kleinste gerade mal 5 mm Länge hat und die größte mehr als fünf Meter misst. Weitere Einzelheiten zur Orgel zeigt nachfolgender Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1952 auf, wobei u.a. von besonderem Interesse ist, dass am 6. Juli 1952 nach dem vormittäglichem Konzert durch den ehemaligen Domorganisten Eberhard Kraus -damals 21jähriger Student an der Hochschule für Musik in München- der „berühmte englische Orgelbauer Henry Willis und der Organist der All Souls Church in London, Frederic Geoghegen die Orgel prüften und untersuchten.“ Sie waren begeistert und voll von Verwunderung, wie der damalige Pressebericht aufzeigt.Zeitungsartikel Steinmeyer Orgel Wackersdorf

Wie sich die Orgel heute dem Kirchenbesucher darbietet, kann aus der beigefügten Hörprobe, die uns der derzeitige Organist Bastian Wagner freundlicherweise zur Verfügung stellte, vernommen werden.

 

Quellen:

Rappel Joseph, Wackersdorf Das Werden einer modernen Industriegemeinde, 1974

Pfarrbrief St. Stephanus Wackersdorf, Juli 2002

Originalaufnahme des derzeitigen Organisten Bastian Wagner

www.steinmeyer-orgeln.de, Stand Juli 2022

Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1952, unbekannte Herkunft

Eigene Fotos

 

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Bewertung: 5 / 5

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Ein "Glück auf" der Oberpfalz - ein Marsch neu entdeckt

aus den Notizen von Prof. Dr. Klaus Weigelt - Dank auch der freundlichen Unterstützung durch das Stadtarchiv Schwandorf

 

1904 wurde die „Bayerische Braunkohlen- und Brikettindustrie Gewerkschaft Klardorf" mit Sitz in Regensburg gegründet. Knapp zwei Jahre später, am 5. Februar 1906, unterzeichnete man vor dem Berliner Notar Franz Heinitz die Gründungsurkunde der Bayerischen Braunkohlen-Industrie AG (BBI). Der „Graf-Ferdinand-Schacht“ stand am Beginn des Braunkohlebergbaus der Gewerkschaft Klardorf. Wenige Monate später, am 17. Mai 1905 (Hofbauer), fand eine Eröffnungsfeier des Bergwerkes statt. Direktor Geller nahm die Grundsteinlegung in bescheidenem Rahmen vor, wie es dereinst üblich war. Der Schacht und die provisorischen Holzbaracken waren in den bayerischen Farben und mit Girlanden geschmückt. Zur Feier der Eröffnung der Wackersdorfer Braunkohlewerke wurde von Theodor Löw ein Marsch mit dem Namen Ein "Glück auf" der Oberpfalz komponiert und Herrn Generaldirektor Geller von Kühlwetter gewidmet. Dieses Musikstück, welches als erstes musikalisches Stück der BBI das Potential zu einer inoffiziellen Hymne für die Wackersdorfer Knappen hat, ist dann für lange Zeit in Vergessenheit geraten, bis es schließlich Prof. Dr. Klaus Weigelt im Rahmen seiner Recherche zu seinem Beitrag "Die Geschichte der BBI von 1904 bis 1930 und die maßgeblichen beteiligten Personen", der im Laßleben-Verlag erscheinen soll, wiederentdeckt hat. Ohne Orchester bzw. Blaskapelle schien es zunächst schwierig, dem Stück wieder Leben einzuhauchen. Bei www.geschichte-wackersdorf.de können Sie es aber nun exklusiv nach weit mehr als hundert Jahren wieder hören. Dabei ist uns bewusst, dass an diesem digital entstandenen Soundfile noch Verbesserungen möglich sind. Für eine erste Hörprobe soll dies jedoch genügen. Gleichzeitig sind wir nun aber auf der Suche nach einem "Blech-Ensemble", welches dieses historische Stück für uns einspielen könnte. Melden Sie sich also bei Interesse!

 

 

 

Graf-Ferdinand-Schacht bei der Eröffnungsfeier:

Das Foto von 1905 ist das älteste und einzige Bildwerk, auf dem die Gründer des Wackersdorfer Braunkohlenbergwerks bzw. der Gewerkschaft Klardorf verewigt sind. Auf dem Foto zur Eröffnungsfeier des Graf-Ferdinand-Schachtes sind:
Auf der Treppe zum Schacht links Josef Geller und rechts Oberrentmeister Hugo Kösters. Vor dem Schacht von rechts nach links: Graf Merveldt, Baumeister Johann Urban, der Wackersdorfer Pfarrer Zauner, Bürgermeister Obermeier, Obersteiger Lots, Steiger Graf, Hotelier Fischer. Sitzend auf dem Sandhaufen Gellers Sohn Karl und Tochter Virginia. Die übrigen Personen sind heute nicht mehr identifizierbar

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Bewertung: 5 / 5

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Als „Ärzte der kleinen Leute“ wurden sie einst bezeichnet: Die Bader. Nicht jeder konnte sich bis ins 18. Jahrhundert hinein Hilfe bei studierten Ärzten leisten und so erfüllte diese Berufsgeneration eine wichtige Aufgabe beim Großteil der Bevölkerung. In der Gemeinde Wackersdorf wurde die ärztliche Versorgung der Bürger stets hoch angesiedelt. Einen Boder, wie er in Bayern genannt wird, gab es jedoch auch, nämlich den „Boder Bauer“, einem altbekannten Friseur im Ort; ob der auch medizinische Dienste leistete, entzieht sich unserer Kenntnis. Auch der frühere Friseur Peter Grosser hatte vor dem Krieg eine zusätzliche Ausbildung als approbierter Bader absolviert; nach seiner Kriegsheimkehr durfte diese jedoch nicht mehr ausgeführt werden, da mittlerweile nur mehr Ärzte und Apotheker diese Leistungen vollziehen durften. Bereits nach dem Weltkrieg II. war auf alle Fälle eine zu damaligen Verhältnissen gute medizinische Versorgung der Wackersdorfer Bürgerschaft gewährleistet, insbesondere durch die Einrichtungen der früheren Bayerischen Braunkohlen Industrie AG. (BBI AG). Diese Versorgung wurde bis zum Ende der BBI AG im Jahre 1982 weitgehend aufrecht erhalten, wobei zunehmend auch im Ort selber Mediziner wirkten.

„Boder Bauer„Boder Bauer" - Anton Bauer

Wenn derzeit ein Ärztehaus im Entstehen ist, gibt das jedenfalls Anlass, einmal zurückzuschauen auf die Zeit, in der bereits ein „Ärztehaus“, wenn auch in kleinem Rahmen, bestand.

Die Anfänge nach dem Krieg

Im sogenannten „Polenskyhaus“ an der Fabrikstraße standen nach dem Weltkrieg II. sowohl ein praktischer Arzt als auch ein Zahnarzt für die Wehwehchen der Bürger mit Rat und Tat zur Seite. Dies waren der Dentist Heinrich Wüstefeld und der Allgemeinmediziner Dr. Leonhard Lengfeld.

Das Polenskyhaus wurde übrigens von der Baufirma Polensky & Zöllner aus Frankfurt/Main mit Nebenstelle München im Jahre 1946/47 als Wohn- und Geschäftshaus errichtet und bereits 1949 an die Gemeinde Wackersdorf weiterveräußert. Dieser Baukonzern hatte 1929 u. 1936 große Aufträge von der BBI AG für großräumige Erdarbeiten erhalten; 1946 erfolgte nochmals ein Großauftrag an diese Firma im Rahmen des Aufschlusses des sogenannten „Nordfeldes“, auf dem das alte Wackersdorf ehedem stand.

Dr. Lengfeld, eine kleine Familiengeschichte

Doch nun zu Dr. Leonhard Lengfeld, einem 1895 gebürtigen Breslauer, der genau am 07.12.1947 seine Arztstelle in Wackersdorf antrat.

Auszug aus Taufurkunde von 1895 mit den Vornamen Leonhard Karl Albert Antonius MariaAuszug aus Taufurkunde von 1895 mit den Vornamen Leonhard Karl Albert Antonius Maria

Im Wackersdorfer Raum war Lengfeld kein Unbekannter mehr, war er doch bis 1945 im Lazarett Ettmannsdorf als Oberfeldarzt tätig und am 08.08.1945 aus der Wehrmacht entlassen worden. Die Uniform aus dieser Zeit hatte der Mediziner einem Steinberger übereignet.

Arztuniform von Dr. LengfeldArztuniform von Dr. Lengfeld

Am 01. Dezember 1945 kam er vom Kloster Ettmannsdorf aus mit seiner Ehefrau Luzia, geb. Teuber, und dem fünfjährigen Töchterchen Vita-Monika nach Wackersdorf in Räume der BBI AG, Werk. Am 07.12.1947 zog er dann in das Polenskyhaus und eröffnete seine Arztpraxis. Bald nahm auch die Haushälterin Emma Nitschke, ihr Neffe wohnt in Wackersdorf, dort ihren Dienst auf. Sie war bereits seit 1931 im Haus Lengfeld in Stellung. Lengfeld war der Landarzt schlechthin. Er war zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar. Ob Geburt oder beim Sterbefall. Der Arzt war zugegen.

Impfbescheinigung aus dem Jahre 1963Impfbescheinigung aus dem Jahre 1963

In der Freizeit ging der Doktor seinem Hobby, der Jägerei nach. Noch heute hängen Jagdtrophäen bei einem befreundeten Jagdgehilfen in Steinberg am See. Und so weit es die Zeit erlaubte, malte Dr. Lengfeld, insbesondere Landschaften. Ein Gemälde von ihm schmückt eine Wohnung in Steinberg.

Gemälde von Dr. Lengfeld aus dem Jahre 1955Gemälde von Dr. Lengfeld aus dem Jahre 1955

Dr. Lengfeld schrieb in seiner jungen Arztzeit auch verschiedene Beiträge in der „Schlesischen Funkstunde“, einem Mitteilungsblatt des ehemaligen schlesischen Rundfunksenders. Eine bleibende Erinnerung an Dr. Lengfeld gibt es heute noch: Die mittlerweile mächtig gewachsene Balsampappel. Lengfeld hatte sie seinerzeit gepflanzt und mit den Knospen und Blüten eine Salbe hergestellt, die vornehmlich für Zerrungen, Gelenkschmerzen und Rheuma verwendet wurde.

Die Balsampappel-Im Hintergrund das PolenskyhausDie Balsampappel-Im Hintergrund das Polenskyhaus

Nach 25-jähriger Tätigkeit in Wackersdorf verabschiedete die Gemeinde Wackersdorf den 77-Jährigen. Der seinerzeitige 1. Bürgermeister Josef Ebner würdigte die Leistungen des Arztes für Wackersdorf und händigte ihm neben einem Geschenkkorb eine Wackersdorfer Gedenkmünze aus. Der Arzt erwiderte in seiner Dankesrede, dass er, nachdem er in zwei Weltkriegen als Soldat bzw. Feldarzt gedient hatte und die Vertreibung mitmachen musste, gerne in Wackersdorf wirkte. Lengfeld zog 1972 dann zu seiner Tochter Vita-Monika Kirste nach Nürnberg und verbrachte dort seinen Lebensabend mit seinen drei Enkeln. Auch Emma Nitschke versorgte weiterhin den Haushalt und war für die Enkelkinder von Lengfeld eine "Leihoma", wie von Angehörigen zu hören war. 1997 verstarb Frau Nitschke in Nürnberg; die Urne fand im Wackersdorfer Familiengrab Nitschke ihre letzte Ruhe.

Verabschiedung Dr.Lengfeld Juli 1972, vorne 3. v. l. zusammen mit dem damaligen Gemeinderat u. 1. Bgm. Ebner JosefVerabschiedung Dr.Lengfeld Juli 1972, vorne 3. v. l. zusammen mit dem damaligen Gemeinderat u. 1. Bgm. Ebner Josef

1985 verstarb der Arzt im 90. Lebensjahr. Seine Urne wurde im Grab neben seiner bereits im Jahre 1968 verstorbenen Frau Luzia beigesetzt.

Die Grabstätte Lengfeld in WackersdorfDie Grabstätte Lengfeld in Wackersdorf

Nur so nebenbei eine Geschichte, die sich damals zugetragen hat:

Der seinerzeitige Friedhofswärter hatte Lengfeld zu Lebzeiten zugesagt, dass er ihn nach seinem Ableben nochmals die Gemeinde zeigen würde. Und so hatte dieser kurzerhand die Urne des verstorbenen Arztes auf den Gepäckträger seines Mofas gepackt und durch Wackersdorf gefahren.

 

Dentist Heinrich Wüstefeld

Im Haus an der Fabrikstraße kam 1947 dann der Dentist Wüstefeld und die Gemeindeverwaltung zog 1949 ebenfalls in die Räume des Polenskyanwesens. Der Weg des Zahnarztes war nicht sehr einfach, musste er doch seine erste Praxis und sein Heim in Schlesien infolge der Vertreibung verlassen. Zunächst fand er in Burglengenfeld eine neue Bleibe, bis er schließlich 1947 nach Wackersdorf kam.

Heinrich Rudolf Maria Wüstefeld wurde in Duderstadt, Bezirk Hildesheim 1901 geboren und wuchs in einer Familie mit zehn Kindern auf. 1928 heiratete er in Frankfurt/Oder die zahnärztliche Gehilfin Ursula Hedwig Martha Gottschau; aus dieser Ehe ging später die Tochter Gabriele Hartinger hervor.

So wie Dr. Lengfeld wohnte Wüstefeld mit seiner Ehefrau Hedwig, die übrigens 1968 als erste Frau in den Wackersdorfer Gemeinderat einzog, und der Tochter Gabriele, die später als Sekretärin an der Volksschule arbeitete, in diesem Haus an der Fabrikstraße.  Wüstefeld wirkte bis Anfang der 60iger Jahre. Zwischenzeitlich hatten sich die Wüstefelds ein Wohnhaus Am Hang errichtet. „Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, noch einige Jahre der Ruhe darin zu verbringen“, wie das Schwandorfer Tagblatt im August 1963 berichtete, denn am 15. August 1963 verstarb Wüstefeld allzufrüh.

Zahnarzt Heinricht Wüstefeld in der Fabrikstraße in WackersdorfZahnarzt Heinricht Wüstefeld in der Fabrikstraße in Wackersdorf

 

Barbara-Apotheke

Seit 70 Jahren besteht in der Gemeinde eine Apotheke. Genau am 18. August 1952 eröffnete der Schwandorfer Apotheker Hans Sturm im ehemaligen Riedl-Anwesen an der Bergmannstraße 5 die Barbara-Apotheke, nachdem er bereits 1951 bei der Bayerischen Apothekenkammer einen Antrag auf Errichtung einer Apotheke gestellt hatte.

In den Folgejahren reihten sich verschiedene Pächter ein:

1954: Theresia Erb

1956: Beda Horstmann

1964: Elisabeth Fahmüller bzw. Heyder

Die Apotheke unter Leitung von Frau Heyder hielt bis 1986 an, ehe sie dann am 27. Februar 1987 in den neugestalteten Räumen der ehemaligen Bäckerei Kummer am Marktplatz 5 eine neue Bleibe fand. Nach fast dreißigjähriger Tätigkeit in Wackersdorf trat die Apothekerin den Ruhestand an und verpachtete die Einrichtung an Angelika Klett.

1998 übernahm dann Joachim Muss die Apotheke und hat diese bis heute inne.

Nach Fertigstellung des Ärztehauses an der Schulstraße wird Muss mit seiner Belegschaft dort einziehen und einen zeitgerechten Apothekenservice anbieten.

 

Dr. med. Gerhard Fink

Mehr als 36 Jahre war Dr. Gerhard Fink in und für Wackersdorf tätig. Genau ab 8. Januar 1962 praktizierte Fink in der Praxis an der Ecke Friedhof-, Sportplatzstraße (ehemaliges Riedl-Anwesen, heute Kellermann).

Das Sterbebild erinnert an Dr. Gerhard FinkDas Sterbebild erinnert an Dr. Gerhard Fink

Fink war ein anerkannter Mediziner, so dass die Patientenzahl immer größer wurde und er schließlich nach fünf Jahren an der Herbststraße nicht nur ein Eigenheim sondern auch eine eigene Praxis mit seiner Ehefrau Resi schuf.

Dr. Fink bei einem Verkehrsunfall, 4. v. l.Dr. Fink bei einem Verkehrsunfall, 4. v. l.

Am 31. März 1998 war dann Schluss und Fink frönte seinen Hobbies, dem Schachspiel, deren Clubvorsitzender er dreizehn Jahre lang war und dem vielgeliebten Modellfliegen. Dr. Fink war 36 Jahre für seine Patienten in Wackersdorf tätig und damit der am längsten in Wackersdorf wirkende Mediziner.

Plötzlich und unerwartet starb Dr. Fink dann am 15. Dezember 2002 und fand seine letzte Ruhestätte im Wackersdorfer Friedhof.

 

Dr. Spanner, Zahnarzt

Gleichzeitig mit Dr. Fink zog der Zahnarzt Dr. Heinrich Spanner in das Gebäude an der Ecke Friedhof-, Sportplatzstraße ein. Später ließ sich der Arzt in Burglengenfeld nieder.

Weitere Einzelheiten sind dazu nicht bekannt.

 

Dr. Felix Hierstetter

Nur drei Jahre war der ausgebildete Chirurg und Sportmediziner Hierstetter in Wackersdorf an der Frühlingstraße tätig, nämlich in der Zeit von 1976 bis 1979. Dann ging der Schwandorfer wieder in seine Heimatstadt Schwandorf, wo er ebenfalls eine Praxis in der Friedrich-Ebert-Straße einrichtete und politisch im Stadtrat als auch im Kreistag sehr aktiv war.

Darüber hinaus war der Arzt ein leidenschaftlicher Sammler und Historiker. Im Schwandorfer Stadtarchiv befinden sich umfangreiche Sammlungen und  Unterlagen zur Stadtgeschichte des Hobbyhistorikers.

 

Zahnarzt Günes Demirel

Der türkischstämmige Dentist begann 1974 seine Tätigkeit im ehemaligen Konsumgebäude (Faderlanwesen) an der Bergmannstraße. Doch bereits nach wenigen Jahren wuchs der Patientenstamm so rapide an, dass die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten und Demirel einen Wohn- und Praxisneubau an der Linden-, Birkenstraße schuf. Leider verstarb der 44-jährige Mediziner nach einem Urlaubsaufenthalt nahe der südafrikanischen Hafenstadt Durban allzu früh nach einem Flugzeugabsturz; das Sportflugzeug vom Typ Piper Cherokee, mit dem er in den Indischen Ozean stürzte, steuerte er lt. einem Zeitungsbericht "Die Woche" vom Januar 1992 nach selber; ein weiterer Insasse verstarb ebenfalls, wogegen eine Person den Unfall überlebte. Demirel war ein begeisterter und erfahrener Hobbyflieger.

Günes Demirel - Die Woche berichtet vom Absturz
Günes Demirel - Die Woche berichtet vom Absturz

 

Zahnärztin Dr. Feige

Frau Dr. Feige war Ende der 60-iger Jahr in Wackersdorf tätig. Sie richtete im Anwesen Grabinger im Erdgeschoss an der Osser-, Arberstraße eine Praxis ein.

 

Zahnarzt Dr. Bruckner

Zahnarzt Hans Bruckner eröffnete 1996 seine Praxis in einem ehemaligen Wohnhaus an der Friedhofstraße und praktizierte dort bis 2010. 2009 kam die jetzige Zahnärztin Dr. Yildiz Mögele zu Dr. Bruckner in die Praxis; diese führt die Einrichtung bis heute noch.

 

Allgemeinmediziner Dres. Edith u. Albert Strobl

Am 1. Juli 1987 trat der Allgemeinmediziner Dr. Albert Strobl in Wackersdorf seinen Dienst in den Räumen der ehemaligen Bäckerei Konz am Marktplatz an. Bereits nach zwei Jahren folgte ihm seine Ehefrau Dr. Edith in die Praxis, die sie bis 1997 dort erfolgreich führten.

Die Zahl der Patienten wuchs von Jahr zu Jahr und die räumlichen Verhältnisse wurden immer enger, so dass 1997 der Umzug in das Geschäftsgebäude der Firma Gruber Wohnbau an der Eichenstraße erfolgte.

22 Jahre wirkte dort das Ehepaar Dres. Strobl erfolgreich, ehe beide am 1. Juli 2019 die Praxis an die Ärzte Stefan Roi und Dr.med. Elena Diaconu übergaben.

Darüber hinaus war Dr. Strobl dreißig Jahre als Notarzt im Schwandorfer Raum tätig. Lange Zeit war der Mediziner auch bei und für die Freiwillige Feuerwehr Wackersdorf im Einsatz, insbesondere nahm er die Untersuchungen der Atemschutzgeräteträger vor.

Maßgeblich beteiligte sich Strobl auch an der Neuplanung des Ärztehauses an der Schulstraße, wofür ihm die Gemeinde bei der Verabschiedung 2019 ausdrücklich dankte, wie aus einem Bericht des gemeindlichen Mitteilungsblattes Dohoam hervorgeht. In dem Blatt stellten die beiden Strobls auch heraus, dass über die Jahrzehnte nicht nur eine medizinische Bindung zur Bevölkerung bestand, sondern darüber hinaus auch viele emotionale Bande zu Familien aufgebaut wurden.

 

Dr. med. Andreas Kappl

Seine Praxis eröffnete Dr. Kappl am 1.4.1998 an der Friedhof-, Ringstraße und betrieb diese bis Ende 2019.

Seit 2020 hat er die Einrichtung an der Sportplatzstraße. Besonders zu erwähnen ist, dass sich Kappl neben der Allgemeinmedizin dem Naturheilverfahren widmet. Bekannt wurde Dr. Kappl auch durch verschiedene Veröffentlichungen, wie z. B. über „Vitalpilze in der Naturheilkunde“ oder „Bärlauch zur Schwermetallausleitung“.

 

Und zu guter Letzt: BBI Werksklinik und die Niederbronner Schwestern

Es war der 22. März 1924 als die ersten Schwestern Ingoberta als Oberin, Cresconia und Desideria des Niederbronner Ordens im Schwesternheim der ehem. BBI einzogen. AM 12. Juli folgte dann noch Schwester Tilberta und bereits am 17. November Schwester Bodonia. Der damalige Werksdirektor, Geheimrat Oskar Kösters hatte dafür gesorgt, dass die Schwesternschaft nach Wackersdorf kam. Drei Aufgaben hatten diese zu bewältigen, nämlich den Kindergarten zu betreuen, des Weiteren die Mütter- und Säuglingsberatung zu unterstützen und als drittes in der Werksklinik mit zu arbeiten. Bereits zum damaligen Zeitpunkt gab es bereits „Bestrahlungsapparate und sonstige medizinische Hilfsgeräte“, wie einem Bericht der BBI Werkszeitung aus 1959 entnommen werden kann.

Jeweils zwei Schwestern waren in der Krankenpflege als auch im Kindergarten und eine Schwester in der Klinik tätig. In den sechziger Jahren wurde die „Werksklinik“, wie diese etwas großzügig bezeichnet war, deutlich aufgebessert. 1955 wurde mit Dr. Konrad Blesch ein Werksarzt eingestellt und das Inventar spürbar modernisiert. Bereits vorher war auch eine Ärztin für die Mütterberatung, die bisher von den Schwestern vorgenommen wurde, bestellt. Selbst ein Röntgenapparat und Elektrokardiograph wurden angeschafft. Daneben gab es noch eine Vielzahl von Anschaffungen, die für eine damalige ärztliche Einrichtung ungewohnt waren. Auch ein kleiner Operationsraum war installiert, „um bei dringenden Fällen, die einen langwierigen und umständlichen Transport nicht erlaubten, an Ort und Stelle eingreifen zu können“, wie es in einem Bericht zum 40jährigen Jubiläum heißt. Zu einem späteren Zeitpunkt kam auch noch ein eigenes Sanitätsfahrzeug, ein VW-Bus, dazu.

Schwester Amabilis Schwester Amabilis

Schwester Amabilis, die 1944 nach Wackersdorf kam, war die treue Seele in der Werksklinik, die vornehmlich den Werksarzt unterstützte, aber auch selbst Hand anlegte, z. B. bei Verbandsanwendungen. 1967 feierte die allseits bei der Belegschaft und Bevölkerung beliebte Schwester ihren 80. Geburtstag. Sie war zu diesem Zeitpunkt das älteste Belegschaftsmitglied der BBI. Im Juli 1973 verstarb sie nach einem langen, segensreichem Wirken. 1959 kam noch Schwester Jutta, die vornehmlich Hausbesuche machte, anfangs zu Fuß, dann mit dem Fahrrad und Moped, ehe ihr ein Auto anvertraut wurde. Ein größeres Fest feierten die Schwester schließlich 1964 mit dem vierzigjährigen Bestehen.

Werksarzt Dr. Blesch bei der UntersuchungWerksarzt Dr. Blesch bei der Untersuchung

1972 verstarb der langjährige Werksarzt Dr. Blesch und bereits kurze Zeit darauf übernahm Dr. Herbert Knönagel die Aufgaben des Betriebsarztes vorübergehend, ehe sich mit Dr. Georg Franz im Juli 1974 ein neuer Mediziner (Facharzt für Arbeitsmedizin) vorstellte. Er war der letzte Werksdoktor bei der BBI.

 

In der Zwischenzeit waren viele Schwester verstorben; 1974 aber zum 50-jährigen Wirken der Schwestern in Wackersdorf kamen mit Schwester Servanda und Eremita neue Kräfte zur Verstärkung und blieben noch einige Jahre, ehe sie ins Mutterhaus einberufen wurden.

 

Zudem soll Fr. Dr. Grahn-Liebe von Zeit zu Zeit auch in der BBI-Klinik unter anderem bei der Mütterberatung gewirkt haben. So berichtet es Andrea Schmaus, die mit ihrer Tochter diese Arztin aufsuchte.

 

Ausblick

 

Mit der Schaffung des neuen Ärztehauses an der Schulstraße, in dem die Wackersdorfer Hausärzte und die Barbaraapotheke einziehen, werden Meilensteine für die Zukunft gesetzt. Darüber hinaus stehen weiterhin folgende  Ärzte bzw. Einrichtungen zur Verfügung:

 

Dr. Yildiz Mögele, Zahnärztin

Dr. Umhöfer-Weigert, Zahnärztin

Silvia und Elmar Schenke, Heilpraktiker

Naturheilpraxis Strupf

Physiotherapeuten Kraus, Schart und Wiendl

 

(Text: Hottner)

 

Quellen:

Dahom 03/2019, Mitteilungsblatt Gemeinde Wackersdorf

Stadtarchiv Schwandorf

Zeitzeugen

Zeitungsbericht "Die Woche" vom Jan. 1992

Sterbebilder

Eigene Fotos und private Aufnahmen, sowie Museum Steinberg am See, unbekannte Aufnahmen

Rappel Josef, Wackersdorf - Das Werden einer modernen Industriegemeinde, 1974

Sterbeanzeigen Mittelbayerische Zeitung Schwandorf

Bayerischer Braunkohlen Bergbau, Werkszeitschrift verschiedene Ausgaben

Internetrecherche insbesondere zu Militärkirchenbüchern

 

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Es war der 26. März 1991 als im Sitzungssaal im Feuerwehrgerätehaus Gert Wölfel die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde. „Erfolgreiche Bemühungen bei der Ansiedlung von Industriebetrieben auf dem ehemaligen WAA-Gelände, Erhalt bzw. Realisierung des Ausbildungszentrums auf dem ehemaligen BBI-Gelände, Unterstützung beim Bau der Sporthalle“, so steht es in der Begründung zur Verleihung auf der Homepage der Gemeinde Wackersdorf.

Doch bedarf es zur Person Wölfel, der einzige noch lebende Ehrenbürger von Wackersdorf, einiger Erläuterungen für den Leserkreis, dem der Genannte nicht so bekannt sein sollte.

Wölfel 1939 in Aš, im früheren Sudetenland, heute Tschechien, geboren, war Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der damaligen DWK bzw. DWW (Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen). Vor mehr als dreißig Jahren kam Wölfel von der Preussen Elektra nach Wackersdorf, wo er als Dipl. Kaufmann beim ehemaligen WAA-Projekt federführend tätig war.

Nach dem Ende des umstrittenen Kernkraftprojekts im Juni 1989 war Wölfel zusammen mit dem früheren Bayernwerks-, VIAG-Vorstands und Aufsichtsratsmitgliedes Dr. Jochen Holzer an vorderster Stelle an der Nachfolgenutzung des seinerzeitigen WAA-Geländes beteiligt.

Daneben setzte sich Gert Wölfel für die Bereitstellung und Verwendung von Fördermitteln zur Schaffung der Infrastruktur in der Region, speziell in Wackersdorf, ein. Die Gemeinde Wackersdorf erhielt z. B. eine neue Wasserversorgungsanlage, zusammen mit der Großen Kreisstadt Schwandorf eine Großkläranlage, eine Sporthalle etc.

Während sich andere Spitzenkräfte der früheren DWK nach dem WAA-Aus aus der Region verabschiedeten, blieb Wölfel seiner „zweiten Heimat“ treu. Er engagierte sich u.a. beim örtlichen Turnverein lange Zeit als 1. Vorsitzender, sowie als Stiftungsvorsitzender bei den Stiftungen zur Förderung der Hochschule Regensburg und beim GEO-Zentrum an der kontinentalen Tiefenbohrung in Windischeschenbach.

Auch beim Knappenverein und der Freiwilligen Feuerwehr in Rauberweiherhaus beteiligt er sich fördernd als Mitglied.

Nur am Rande sei erwähnt, dass Wölfel Ehrensenator der OTH Regensburg, Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse sowie Träger der Karlsmedaille der Westböhmischen Universität ist.

Daneben gibt es noch eine Vielzahl von Mitgliedschaften udgl., wo sich Wölfel beteiligt.

Heute verbringt der Ehrenbürger, der zusammen mit dem Wackersdorfer Dr. Reinhard Proske 2018 das Buch „Die WAA Wackersdorf, politisch gewollt, technisch machbar, betriebswirtschaftlich unsinnig“ verfasste, seinen Lebensabend im schmucken Anwesen am Brückelsee.

 

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Von Hans-Peter Weiß

Der Blick des Gekreuzigten schweift hinüber zum Münchshofener Berg, weit ins Naabtal hinein. Am Osthang des Holzberges steht seit Anfang der 1970er Jahre ein Feldkreuz. Der Landwirt Johann Wismann (Jahrgang 1928), Alberndorf Nr. 7,  hatte es hier her versetzt, nachdem das Kreuz an seinem Standort dem Autobahnbau im Wege stand. Die Familie Wismann besaß im heutigen Bereich des Autohauses Maschek mehrere landwirtschaftliche Grundstücke. Diese wurden auch „Gstoana“ genannt. In einer Wiese befanden sich drei kleine Weiher und ein Brünnerl in dessen Nähe das Feldkreuz einst stand. Lediglich eine Tafel mit der Inschrift „Gelobt sei Jesus Christus“ und der Jahreszahl „1901“ ist in den Granitstein eingefasst. Theresa Wismann (geb. Trautner) überlieferte ihrer Tochter Anneliese mündlich lediglich, dass hier einmal ein Mann vom Blitz erschlagen wurde. Diese Aussage kann bezweifelt werden, da das Marterl noch einen weiteren Standort hatte. Eventuell trifft diese Version auf ein altes Holzkreuz zu, dass sich ebenfalls in diesem Bereich befand. Gesichert ist nur, dass der Landwirt Wismann das Flurkreuz im Zuge des Autobahnbaus und der Flurbereinigung auf eine Anhöhe am Holzberg versetzt hat. Ein besonders christlicher Zeitgenosse hatte den Herrgott eines Tages gestohlen. Anneliese Rückerl, die sich um das Feldkreuz und dessen Umfeld kümmert, ließ daraufhin einen neues vergoldetes Kruzifix anbringen.

Jüngsten Recherchen zufolge hatte das Kreuz einen ganz anderen Standort. Josef Hottner (d’Wirt-Sepp) erzählte, dass Michael Tausendpfund (*1856, †1936) das Feldkreuz zuerst am Dorfanger (heute Spielplatz) aufstellen ließ. Dort trafen sich die Alberndorfer auch zu Maiandachten und anderen Anlässen. Nachforschungen konnten kein Licht ins Dunkel bringen, was sich damals um die Jahrhundertwende zugetragen hat bzw. warum das Marterl aufgestellt wurde. Irgendwann im Lauf der 120-jährigen Geschichte kam das Kreuz an den Irlacher Kirchenweg, der hinüber nach Kronstetten führte. Dieser verlief aus heutiger Sicht zwischen der Autobahn und dem Widmann-Areal. Wie auch immer, das Marterl steht seit 1901 auf den Alberndorfer bzw. Wackersdorfer Fluren, wo es den Gläubigen zu einem kurzen Halt einlädt.

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