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Über Wackersdorfer Flurnamen - eine Zulassungsarbeit neu entdeckt - Gewerbe und Berufe

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Über Wackersdorf gibt es mittlerweile schon eine recht ansehnliche Zahl an geschichtlichen Publikationen, allen voran zur WAA Wackersdorf. So ist es nicht verwunderlich, dass andere nennenswerte Bücher in Vergessenheit geraten. Eines davon soll nun wiederum in Erinnerung gerufen werden. Im Jahr 1964 verfasste Christa Gebert eine Zulassungsarbeit für das Lehramt an Volksschulen über die Flurnamen von Wackerdorf (Gebert, Christa: Die Flurnamen der Gemeinde Wackersdorf – Landkreis Schwandorf, Regensburg 1964.) Sie beschäftige sich unter anderem damit, wie Berufe und Gewerbe zum Namensgeber für Flurnamen wurden.

Vielen dürfte die Raubermühle (ehemals in Rauberweiherhaus, heute in Neusath-Perschen) ein Begriff sein. Diese könnte auch der Namensgeber für die Mühläcker sein, die laut Gebert „östlich von Grafenricht an der Grafenrichter Mühlgaß“ gelegen haben sollen. Von dort führte ein Weg bis nach Rauberweiherhaus geführt haben. Ein Blick in die Karte von Christoph Vogel (1600) verrät, dass mit dem „Schwanter-Mühlweg“, den man von Grafenricht über Brückelsdorf bis nach Fronberg beschreiten konnte, auch in Fronberg eine Mühle zu erreichen war. Nicht umsonst existierte eine Waldung von ca. 3 ha an der Grenze zur Flur Fronberg, die „Mühllohe“ genannt wurde. Daran angeschlossen befand sich der „Mühlweiher“. Auch die Berufsbezeichnung des Schmiedes findet sich in der Flur rund um Wackersdorf wieder. Immerhin soll der Schmied eine der ältesten Institutionen bereits in Alt-Wackersdorf gewesen sein. Gebert beschreibt hier das „Schmiedgärtl“ , den „Schmiedsgärtsacker“, das „Schmiedleitenackerl“ sowie das „Schmiedackerl“. Letzteres lag etwa 120 m südöstlich von Brückelsdorf. Darüber hinaus hat auch der Eisenhammer, der zur Fronberger Hofmark gehörte, seinen Namen hinterlassen. Sowohl der „Hammerweiher“ als auch das „Hammerholz“ (1,3 km nördlich von Brückelsdorf gelegen) zeugen davon, dass die Hofmark als Grundherr einzelne Flächen im Gebiet um Wackersdorf besessen haben muss. Dennoch bedeutet nicht jeder Flurname, der einem Handwerk entspricht, dass er direkt davon abgeleitet wurde. Beispiele dafür führt Gebert an mehreren Stellen an. Das nördlich von Grafenricht gelegene „Schusterackerl“ geht nicht auf die Berufsbezeichnung dessen Besitzers zurück, vielmehr muss das Grundstück nach Geberts Recherchen einem Leonhard oder einem Andreas Schuster gehört haben, wie sie in einer Steuerbeschreibung des Pflegamtes Schwandorf aus dem Jahre 1728 entnehmen konnte. Ähnlich verhält es sich mit der Namensbezeichnung „Meiler“ oder „Köhler“. Südwestlich des alten Dorfes soll der „Meilweg“ Richtung Irlach vorbeigeführt haben. Unweit davon gab es den „Meilwegacker“. Darüber hinaus ist noch der „Meileracker“ als auch der „Meilergirglacker“ zu erwähnen. Während der eine dem Johann Meiller zugeschrieben wird, der 1840 in Wackersdorf ansässig war, vermutet man vom anderen, dass er nach einem Georg Meiler benannt worden ist. Auch die Kohläcker, deren Lage nicht genauer beschrieben wird, sind eher mit den Anbau der Feldfrucht in Verbindung zu bringen als mit dem Beruf des Köhlers. Und dennoch soll das „Kohlergaßl“, welches 200 m westlich von Grafenricht vom Gemeindeweg abzweigte und Richtung Heselbach verlief, auf einen möglichen Kohlenmeiler zurückzuführen sein.

Der mittlerweile kaum mehr im Sprachgebrauch verwendete Beruf des Schinders beeinflusste die Orts- und Flurbezeichnung. Die Gemeinde benötigte den Schinder, um das „gefallene Vieh (=Luder)“ zu entsorgen. Der Schinder verscharrte es aus hygienischen Gründen nur an bestimmten Orten. Sowohl im Norden als auch im Süden befanden sich „Luderackerln“, einerseits bei den Frohnwiesen, andererseits bei den Zelläckern.

Zudem weisen Flurnamen, wie das „Steinbruchackerl“ oder der „Steinbruchweg“, darauf hin, woher das Baumaterial unter anderem für „Alt-Wackersdorf“ gekommen sein mag. Im „Drahthölzl“ (Bild 1) nahe der Heselbacher Straße sollen heute noch Mulden und Vertiefungen im Boden von einem Steinbruch zeugen. Außerdem vermutet Gebert, dass die „Hüttenäcker“ (100 m südlich vom alten Brückelsdorf) auf den Beruf des Pechsieders zurückgehen. Von einer derartigen Arbeitsstätte wussten scheinbar ältere Dorfbewohner damals noch zu berichten. Die „Hirtackerln“, die „Hüteräcker“, das „Hirtpaintl“ oder die „Hirtwiesen“ weisen auf einen mittlerweile kaum mehr ausgeübten Beruf hin. Vor knapp 60 Jahren existierten die „Hüttäckerln“ noch an der Stelle, an der heute das Brückelsdorfer Kreuz (das ehemalige Dorfkreuz von Alt-Wackersdorf) neben einem Spielplatz an der Friedhofstraße steht. Den Hirten, der damals noch fest zum Dorfbild gehörte, gibt es in dieser Form nicht mehr. Zu früheren Zeiten wohnte dieser im Hüthaus der Gemeinde Wackersdorf, das später als Armenhaus umfunktioniert wurde. (Bild 2) Im Rahmen Ihrer Recherche hat Christa Gebert noch zu vielen anderen Orts- und Flurbezeichnungen rund um Wackersdorf wertvolles Wissen zusammengetragen, welches jedoch erst noch gesichtet, erhalten und in neue Kontexte gesetzt werden sollte.

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