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8. Kirche und Schule im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert berichtet eingehend der Chronist Kaspar Glas über die kirchlichen Verhältnisse in Wackersdorf. Die Reihe der Pfarrherrn führt er mit Namen und Datum bis zu seinen Lebzeiten genau an. Hier sei, abgesehen von den bereits genannten Geistlichen, die Sparte noch ergänzt bis zur Jahrhundertwende. Es sind dies von

1783 Wolfgang Wolf bis

1811 Georg Schmuderer bis

1814 Kajetan Steiner bis

1826 Kaspar Schlögl bis

1827 Joh. Baptist Hegner bis

1851 Georg Diermeier bis

1858 Andreas Eckl bis

1869 Anton Vogl bis

1874 August Igl bis

1880 Georg Schoyerer bis

1886 Matthias Wagner bis

1887 Franzi Kirschberg bis

1892 Johann Kühner bis

1897 Josef Stauner bis 1913.

In der Chronik vom Jahre 1845 folgt auch eine Schilderung der Pfarrkirche aus jener Zeit: „Auf dem Platz, wo sich ehemals das herrschaftliche Schlösschen befand, findet sich nun die Pfarrkirche, die vom Gottesacker umgeben ist. Die Kirchhofmauern sind noch Überreste vom alten Schlösslein. Das Kirchlein ist unvermögend, liegt vom Eingange unterm Giebel zwei Stufen tief in der Erde. Hierin finden sich 3 Altäre. Der Choraltar ist schön gebaut und hat 6 Tragsäulen. Auf dem Altarblatte ist der hl. Erzmartyrer Stephanus schön aufgemalt. Rechts am Tabernakel kniet St. Isidor und links St. Wendelin, beide in Holz gehauen. Rechts auf dem Bogendurchgang steht der hl. Apostel Paulus, lins Perus, gross und schön in Holz gehauen. Ganz oben sitzen 2 grössere Engel mit den Symbolen: Glaube, Hoffnung und Liebe. Ganz oben findet sich der Erlöser mit dem Kreuze, schön in Holz gehauen.

Am rechten Altar findet sich im Altarblatte gemalt der hl. Florian, am linken Seitenaltare am Blatte gemalt Sebastian und Fabian. Beide Altäre sind in der Bauart ganz unbedeutend.“

Die schon zur Zeit der Reformation viel zu kleine Pfarrkirche erhält endlich im Jahre 1860 auf vielseitiges Drängen des damaligen Pfarrers Andreas Eckl eine Erweiterung durch Verlängerung des Schiffes nach rückwärts. Ausgeführt wird die Arbeit durch Zimmermeister Lombert von Nabburg um 1300 fl . im Akkord. Baumaterialien sind billig vorhanden: Bruchsteine liefert der Steinbruch in Wackersdorf und das Bauholz der Kirchenwald. Der Erweiterungsbau macht nun auch eine Verlegung der Kirchtüre notwendig. Diese ist bisher an der hinteren Giebelseite angebracht gewesen, sodass man über Stufen zur Kirche gestiegen ist. Jetzt kommt die Türe an die östliche Längsseite.

Um die Jahrhundertwende wird auch die innere Ausstattung der Kirche vervollkommnet und vorallem eine neue Orgel um 2200 fl. angeschafft.

Die Pfarrei zählt nun einschliesslich der eingepfarrten Orte der Umgebung 870 Seelen.

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Die schulischen Verhältnisse erfahren zu Anfang des 19. Jahrhunderts insoferne besondere Förderung als die Schulpflicht gesetzlich eingeführt (1802) und die Vorbildung der Volksschullehrer auf Seminarien als Voraussetzung für die Anstellung gefordert wird.

In Wackersdorf übernimmt von 1801 – 1823 Jakob Hafensteiner als erster seminaristisch gebildeter Lehrer die Schulstelle. Er ist ein Sohn des Schullehrers Johann Hafensteiner von Wenzenbach und verehelicht sich in Wackersdorf mit Elisabeth Schuster, der Tochter des eingangs genannten Lehrers Wolfgang Schuster, mit Erlaubnis des zuständigen Pfarrers. Dieser Zusatz lässt die Abhängigkeit des Lehrers vom Geistlichen zu jener Zeit auch in rein privaten Angelegenheiten erkennen. Der Geistliche ist Schulaufsichtsbeamter und der Lehrer wird von ihm nicht nur in seiner Eigenschaft als Mesner sondern auch in schulischen Dingen kontrolliert. Dass auch die Wohnung des Volksschullehrers in Wackersdorf noch dürftig ist, zeigt ein Bericht über das Mesnerhaus: „Eine Stube, eine schlechte Kammer, Stall und ein kleiner Stadel machen das Ganze desselben aus“ (Neuburger Exdradition 1803). Ob der Schulunterricht von Lehrer Hafensteiner in seiner Wohnung oder wo anders abgehalten worden ist, ist nirgends ersichtlich. Jedenfalls ist die Schaffung eines eigenen Schulraumes notwendig geworden; den 1812/13 wird das Schul- und Mesnerhaus bedeutend erweitert und ein Schulzimmer auf Kosten der Gemeinde eingerichtet. Der Stall wird als Lehrerwohnung ausgebaut. Dabei wird der anstossende Stadel entfernt. Auf Veranlassung des Pfarrers Schmiederer wird aus den Schulgemeindeteilen Bauholz hergenommen und für den Lehrer ein eigener Stadel erbaut.

Als nächster Lehrer wirkt von 1823 – 1840 Josef Zilch. Durch die Errichtung eines Schulbenefiziums in Steinberg 1825 wird den Steinberger Kindern der weite Schulweg nach Wackersdorf erspart. Die neue Schule Steinberg wird im Auftrage der Regierung von dem dortigen Benefiziaten versehen (bis 1883). Beim Schulsprengel Wackersdorf verbleiben nun noch die Ortschaften Wackersdorf, Brückelsdorf, Grafenricht, Oder, Heselbach, Alberndorf, Irlach, Imstetten, Niederhof, Nattermoos, Höflarn und Kronstetten.

Trotz der Loslösung Steinbergs vom Schulverband ist die Schule Wackersdorf überfüllt. Um 1845 beträgt die Werktagsschülerzahl 80-84. „In eben einer ähnlichen Anzahl finden sich auch die Feiertagsschüler. Der Feiertagsschule und der großen Anzahl derselben wegen wäre zu wünschen, dass eine Anordnung getroffen werden möchte, dass durch Wechseltage die Knaben von den Mädchen abgesondert und dadurch der sittliche Zustand verbessert werde.“

So schreibt der von 1841-1861 in Wackersdorf als Schullehrer wirkende Kaspar G l a s, der sich nicht nur als eifriger Schulmann, sondern auch als Chronist durch Anlegung einer kleinen Ortsgeschichte bezw. Ortsbeschreibung (heute im Besitz des Historischen Vereins der Oberpfalz) sehr verdient gemacht hat.

Im Jahre 1852 tritt dem nun 62jährigen Kaspar Glas dessen Sohn Xaver als Schulgehilfe zur Seite. Der alte Glas unterrichtet die Vorbereitungsklasse in seinem Wohnzimmer und der junge Glas die übrigen Jahrgänge.

Infolge der zunehmenden Schülerzahl erweisen sich die räumlichen Verhältnisse bald als unzulänglich. 1859 wird das Schul- und Mesnerhaus mit einer Bauaufwendung von 4096 fl.48 Kr. neu aufgebaut. Es ist nun zweistöckig und Eigentum der Schulgemeinde, die die Baulast trägt. Darin befinden sich Keller und Stall. Dazu gehören ferner 1 Stadel, 1 Holzlege, 2 Schweineställe, Backofen und Zisterne.

Nach der Pensionierung des Kaspar Glas erteilt von 1861-1869 Xaver Glas allein den Unterricht. Er wird 1869 als Lehrer nach Loderbach versetzt.

Sein Nachfolger von 1869-1873 ist Georg Kellner, der sich ihm vertauscht hat. Er hat 1845 das Lehrerseminar in Eichstätt absolviert und kommt nach verschiedener Verwendung als Hilfslehrer und zuletzt als Lehrer in Loderbach am 3. Aug. 1869 nach Wackersdorf.

Im selben Jahre, nämlich am 1. Okt.1869, wird in Berücksichtigung der grossen Schülerzahl eine Hilfslehrerstelle in Wackersdorf errichtet. Als erste Schulexspektanten wirken Josef Buckenleib, Ludwig Kammerer, Josef Gary und Michael Tyroller.

Am 15. Sept. 1873 tritt als neuer Lehrer Josef Eichinger von Dieterskirchen seinen Dienst in Wackersdorf an und am 1. Okt. 1873 der Schulexspektant Anton Jakob Dietl. Er wirkt 8 Jahre in Wackersdorf, Eichinger kaum 3 Jahre.

Am 1. Mai 1875 wird Karl Kotzbauer als Lehrer in Wackersdorf ernannt. Die Schulgehilfen wechseln in kurzer Zeit: Franz Fischer, Clement Hörndl, Michael Niebler, Ludwig Blankmayer, Georg Bierler.

Vom 1. Nov. 1884 versieht die Schuldienststelle Lehrer J. Obwandner und zwar bis zum 1. Nov. 1886. Schulgehilfen zu jener Zeit sind Anton Rieger und Xaver Schütz. Der Posten der 1. Lehrstelle wird am 1. Dez. 1886 besetzt durch den Lehrer Georg Maier, der aus administrativen Erwägungen nach einem halben Jahre wieder versetzt wird, sodass am 1. Sept. 1887 Lehrer Joh. Bapt.  Daschner die Stelle erhält. Als Schulgehilfen in jener Zeit sind genannt: Ferdinand Rieger, Josef Wilpert, Dostler, May Stoll, Friedrich Stabl, Karl Schreiber.

Am 16. Nov. 1898 wird Lehrer J.B. Daschner auf Ansuchen nach Mintraching versetzt und seine Stelle dem Lehrer Christoph Eder verliehen.

Um den Anforderungen der Neuzeit gerecht zu werden ist bereits im Jahre 1897 mit dem Bau eines eigenen Schulsaalgebäudes nordöstlich des alten Schulhauses, also gegenüber dem Pfarrhof, begonnen worden. 1898 ist das Gebäude fertiggestellt. So liegen die Schulverhältnisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

9. Das alte Wirtshaus und seine Besitzer

In früherer Zeit gab es in Wackersdorf nur ein Wirtshaus. Es ist dies das mit Hausnummer 1 bezeichnete Anwesen, das auf eine reiche Geschichte zurückblicken kann. Schon im 15. Jahrhundert soll die Tafernwirtschaft in Wackersdorf bestanden haben und diese ein uraltes Sinzenhaurisches Lehengut gewesen sein.

Als erster urkundlich nachweisbarer Besitzer erscheint Hans Lienhardt Sinzenhauer, der die Taferne 1532 an Sebaldt Rechen von Rechenberg verkauft. Von diesem geht sie auf seinen Sohn Alexander Rechen über.

Im Jahre 1579 verkauft dieser an Hansen Walther Helberger (von Pitterstorff bei Camb). Die Wackersdorfer Taferne erscheint nun als Helbergisches Lehen, welches bald von Andreas Zwickh abgelöst und frei gemacht wird. Der Kaufbrief ist zwar nicht mehr vorhanden, wohl aber eine Urkunde des späteren Besitzers Paulus Schwarzenberger, der darüber folgendes schreibt: „ Von den Helberger aber hat Andre Zwickh gedachtes Lehengueth auf der Tafern Wackerstorff sambt aller ein -u. Zugehörung auch den Zapfenrecht, wie auch die Jährliche Zinshannen, die er sonsten liefern müssen, umb bares geldt anno 1604 aberkauft, also selbiges ganz frey aigen ohne alle Schuldigkeit/ausser was die hohe Landsfürstliche obrigkeit vermög/ingehabt und genossen, auch dergestalt seinen Kindern hinterlassen“ (Staatsarchiv Amberg).

Der Vormünder dieser Kinder veräussert das Wirtshaus an einen Wilhelm Zwick im Jahre 1624.

Vor dem Richteramte Burglengenfeld erwirbt nun um das Jahr 1633 der schon genannte Paulus Schwarzenberger „selbiges käufflich mit aller frey recht und gerechtigkeit“ und hat es fast 40 Jahre in seinem Besitz.

Während dieser langen Zeit, so erklärt der Wirt selbst, hat er frei nach seinem Belieben das Bier von Schwandorf und auch von anderen Braustätten bezogen. Diese Tatsache zu erwähnen scheint notwendig, weil nämlich das Recht auf Belieferung mit Bier sowohl die Freifrau von Spiring zu Fronberg als auch der Bürgermeister und Rat der Stadt Schwandorf in Anspruch nehmen. Die Freifrau wendet sich sogar an höchste Stellen und der Pfleger von Schwandorf vertritt ihre Sache. Es ist nun kaum zu glauben, dass Pfleger und Rat der Stadt Schwandorf 1662 wegen des Wirtes zu Wackerdorf in einen heftigen Streit, von dem ein dicker Akt des Amberger Archivs berichtet, sich verwickeln. Leider gerät um diese Zeit Paul Schwarzenberger in grosse Schuldenlast, sodass er der Taferne nicht mehr vorstehen kann und gezwungen ist diese zu verkaufen. Die Freifrau von Spiring tritt als Käuferin auf. Die diesbezüglichen Verhandlungen gehen bis an den Kurfürsten Philipp Wilhelm und ziehen sich 4 Jahre hinaus, von 1669 – 1673. Ehe es zur Aushändigung des Kaufbriefes kommt, wendet sich der Wirt in mehreren Bittschriften an den Landesherrn, in denen er seine Lage schildert und um Aufschub bezw. um eine Wohnung in dem Gasthaus ersucht, damit er nicht mit seinen 6 Kindlein ausser Landes muss. In einem dieser Briefe werden jene wertvollen Aufschlüsse über die früheren Besitzer, wie wir sie eingangs finden, gegeben.

Mit der Besitzübernahme der Taferne durch die Freifrau von Spiring und der Verpachtung bricht der Streit, wer Wackersdorf mit Bier beliefern soll, von Neuem aus. Ausserdem entsteht ein weiterer Schriftwechsel über die ungebührliche Abgabenpflicht, die mit der Taferne verbunden sein soll, sodass eine genaue Untersuchung eingeleitet wird, ob die Taferne handlöhnig sei oder nicht. Der Kastner zu Burglengenfeld wird angehalten die früheren Besitzer der Regierung zu melden und die Kaufbriefe nach den auf der Taferne lastenden Gülten und Zinsen durchzusehen. Eine Fastnachtshenne und ein gewisses Quantum Zinsschmalz haben einst zu den Abgaben gehört als die Taferne noch Lehensgut war. Nachdem aber diese längst frei gemacht, ergeht der Befehl die Taferne nicht mit neuen Lasten zu belegen, da auch Abgaben an das Pflegamt Schwandorf zu leisten sind.

Nach 1673 erscheint als Wirt zu Wackersdorf Hans Schuster, der das Anwesen von der Fronbergischen Besitzerin erkauft hat. Ein Verwandter Leonhard Schuster hat dieses von 1684 – 1700 inne.

Nach dessen Tod geht es auf den Sohn des Erstgenannten wieder auf einen Hans Schuster über. Auch der hat mit der Spiringschen Herrschaft aus dem gleichen Grunde zu kämpfen wie seine Vorgänger. Während Paulus Schwarzenberger, wahrscheinlich infolge seiner Verschuldung in Abhängigkeit von der Stadt Schwandorf geraten war und von der Regierung zu Neuburg a.D. den Befehl erhalten hatte das Bier aus Schwandorf zu beziehen, weist Hans Schuster jede diesbezügliche Verpflichtung zurück. Der hochwohllöbliche Freiherr Wilhelm Franz von Spiring aber sucht in einem Schreiben an den Landesfürsten 1717 eine Abhängigkeit des Tafernwirtes zu Wackersdorf zu konstruieren, indem er berichtet, dass dieser alles benötigte Schenkbier von dem Fronbergischen Bräuhaus zu nehmen verpflichtet sei, weil der einstige Käufer der Taferne diese um 250 fl. wohlfeiler erhalten habe.

Es gelingt dem Freiherrn die Absicht schlecht; denn der Wirt Hans Schuster wird auf Veranlassung der Neuburger Regierung in Burglengenfeld am 7. August 1717 zu Protokoll genommen. Darin heisst es: Hans Schusters Vater habe die nunmehr an Hans Strasser vertauschte schlechte Wirtstaferne zu Wackersdorf vor ungefähr 34 Jahren von der Herrschaft Fronberg erkauft; der Handlohn aber sei dem Pflegamt Schwandorf zuständig, wie die Amtsrechnungen nachweisen. Der gottselige Herr Pfleger von Quentl habe persönlich dem Vater des Schuster aufgetragen, dass der den Handlohn dem erwähnten Pflegamt zu entrichten habe. Auf keinen Fall sei er verpflichtet das Bier zu Fronberg zu beziehen. Mit der Herrschaft in Fronberg in Streit geraten, sei Schuster sogar bis nach Neuburg gegangen, wo er nach Prüfung der Sachlage die Genehmigung erhalten habe, dass er „das Bier nach seinem gefallen im Lande nehmen möge, wo er wolle. So werde auch kein Mann, so alt er immer sein möge, mit sagen können, dass berürtes Wirthshaus ein Fronbergisches lehen seye“.

Damit ist nun Hans Schuster bezw. dessen Nachfolger auf der Taferne, Hans Strasser, von den Belastungen der Fronbergischen Herrschaft verschont und kann sein Bier auch von anderen Bräustätten beziehen.

1731 tritt als Besitzer des Wirthauses Valentin Zwickh auf. Dann folgen Joh. Michael Strasser 1736 und Andreas Strasser 1741.

Im Jahre 1764 erscheint Joachim Sperl als Wirt zu Wackersdorf. Seit dieser Zeit ist das Wirtshaus im Besitz dieser Familie geblieben. Heitere und düstere Tage ziehen über das Dorf herein. Das Jahr 1767 gehört wohl zu den schicksalschwersten. Seine Jahreszahl steht heute noch als unaustilgbares Erinnerungszeichen eingebrannt am Russbaum des Wirtshauses. Sie erzählt davon, wie durch Funkenflug der damaligen Kienspanbeleuchtung im Stalle eines Anwesens Feuer ausgebrochen und das ganz Wirtshaus mit allen Nachbaranwesen eingeäschert worden ist. Helfender Gemeinsinn und zäher Fleiss der Betroffenen bauen wieder auf.

Der Sohn des Letztgenannten ist wieder ein Joachim Sperl, der sich 1801 verehelicht und das Anwesen übernimmt. 1837 steht der dritte Joachim Sperl dem Wirtshaus vor. Nach seinem frühen Tode führt eine zeitlang die Frau des Genannten die Wirtschaft um dann dem nun volljähriggewordenen jüngsten Sohne Johann Joachim Sperl 1884 zu übergeben. Das ist der Vater des jetzigen Besitzers Johann Sperl, der seit 1917 das Anwesen übernommen hat.

 

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5. Ereignisse nach dem Dreissigjährigen Krieg

Langsam nur wagen sich die Bauern von Wackersdorf und Umgebung daran die brachliegenden Felder wieder anzubauen. Arbeitskräfte oder gar Gespanne sind selten. Mit vieler Mühe nur gelingt schliesslich die harte Bestellung. Aber es scheint als habe das Schicksal sich gegen sie verschworen.

Das Jahr 1650macht all ihren Fleiss zuschanden. Der heisse, trockene Sommer bringt eine entsetzliche Dürre. Die Berichte aus jener Zeit erzählen von Misswachs und einer darauffolgenden Teuerung, die noch schlimmer als die während des Krieges gewesen sein soll.

Es dauert noch lange bis wieder ruhige Verhältnisse über das Land kommen. Nur allmählich besiedeln sich die leerstehenden Dörfer wieder. In Wackersdorf sind 1691 noch 3 Häuser öd liegend und 16 Häuser bewohnt.

Es scheinen auch die Adelsherrn der Umgebung stark unter den schlechten Zeiten gelitten zu haben. Sie aber suchen durch besondere Belastung ihrer Untertanen das Verlorene wieder einzubringen. Die Fronberger Herrschaft kennt im wahrsten Sine des Wortes keine „Grenzen“ in der „Ausbeutung von Volk und Land“. Nachdem im Gebiete des Freiherrn von Spiring Eisenerzfunde gemacht worden sind, lasst er auch bei Grafenrieth und Wackersdorf, obwohl nicht zu seinem Territorium gehörend, nach Eisenerz schürfen und kommt bei dieser Gelegenheit weit über die Landesgrenze hinaus. Darüber entsteht ein Streit des Landrichteramtes Neunburg v. W. gegen Herrn von Spiring wegen Erzgrabens in der Meldau.

1696 ergeht der Bericht an die Hofkammer der hochlöblichen Regierung zu Amberg. Es wird verlangt, dass Herr von Spiring das weggeführte Erz zur Stelle bringen und sich des Grabens gänzlich enthalten müsse; denn ohne kurfürstliche Bewilligung sei ein „Einschlagen“ nicht erlaubt und auch im Falle der Genehmigung müsse der Zehent von den gegrabenen Mineralien dem Kurfürsten abgeliefert werden.

1698 beschwert sich auch der Abt Odilo von Reichenbach bei seinem Landesfürsten Max Emanuel, weil Freiherr von Spiring einen Erzgräber in die zu seinem Kloster Reichenbach mit Grund und Boden gehörende Meldau geschickt hat und dort mindestens 5 Seidel Eisenerz abgeführt worden sind. Die Regierung behält sich ihr Urteil vor und lässt zuerst den örtlichen Tatsachenbestand aufnehmen. Der Schriftwechsel zieht sich über 12 Jahre hinaus, aber von einer Bestrafung des Freiherrn ist nirgends die Rede gewesen. Die Selbstherrlichkeit der Adelsgeschlechter zeigt sich auch in vielen anderen Streitigkeiten. Die Adeligen der Umgegend, nämlich die von Spiring, die von Spielberg und die von Reisach werden in dieser Beziehung noch oft erwähnt. Letztere sind mit besonderer Rücksichtslosigkeit aufgetreten. Einmal jedoch haben sie, bedingt durch die Zeitverhältnisse, im Streit mit den Bauern den Kürzeren gezogen. Darüber berichtet ein dicker Akt des Staatsarchivs Amberg, betitelt: „Die hochfürstlichen Lehen zu Wackersdorf, besonders die Vindicierung einiger davon abgekommener Zugehörungen“. Darin werden der Stock- und Mossweiher und eine Moor- und Heidefläche, die Lohe, als Reichs-Lehen genannt. Dieses hat ursprünglich der Freiherr von Spielberg in Besitz gehabt. Während seiner langjährigen Amtszeit in Passauischen Diensten haben zwei Bauern von Irlach, Georg Roidl und Stephan Hibl, beide Angrenzer, sich die Lohe zunutzen gemacht, indem sie nach und nach das Holz abgetrieben und das Grundstück in die schönste Wiese verwandelt haben.

Um 1717 aber kauft Freiherr Joh. Sigmund Anton von Reisach das Gut Nabeck samt seinen Lehensstücken. Dazu gehört auch die Lohe. Nach getaner Lehensmutung und Einsichtnahme in den Lehensbrief will er die Missetäter rechtlich belangen. Er wendet sich an das Lehenprobstenamt das ihn aber zwei Jahre warten lässt und dann mit einem Bericht an den kurfürstlichen Hofrat zu Neuburg den Fall abgetan glaubt. Entrüstet über den schlechten Beistand, kommt Freiherr von Reisach 1722 zu dem Entschluss mit seinem  Sohne Wilhelm persönlich in Neuburg bei Seiner kurf. Durchlaucht dem Herzog Philipp die Sache vorzutragen. Aber das Pech verfolgt ihn. In Neuburg wird er nicht einmal vorgelassen. Ja der fürstliche Hofmeister hat ihn weder gefragt, woher er gekommen sei, noch was sein Anliegen wäre. So hat er die Reise von 12 Meilen umsonst zurücklegen müssen.

Über 20 Jahre scheint nun der Fall geruht zu haben. Erst im Jahre 1744, als der Sohn Wilhelm von Reisach Besitz und Lehen als Nachfolger übernimmt, werden die Lehensansprüche wieder geltend gemacht. Mit Zuziehung des Lehenprobstes wird an Ort und Stelle der „Augenschein eingenommen“. Allein der eingefallene Krieg und die vielen Amtsgeschäfte haben Herrn von Reisach behindert in seinen Privatangelegenheiten zu arbeiten. Jahrzehnte vergehen. Nochmals wird die Sache aufgegriffen. Schliesslich hat der hochfürstliche Lehenprobst den Bescheid erhalten, „dass versucht werden möge in Güte aus der Sache zu kommen.“ Damit enden die Akten und es darf angenommen werden, dass die Bauern dabei gut weggekommen sind.

Kehren wir zu Wackersdorf selbst zurück. 1728 scheint sich endlich der Ort von den Folgen des Krieges erholt zu haben. Das Standbuch des Kastenamtes Schwandorf weist 20 Anwesen in Wackersdorf auf:

Leonhard Meiller, vorm. Andreas Weiss

Hans Leonhard Schuster, vorm. Wolf Höcht

Hans Hiebl, vorm. auch Hiebl

Hans Mich.Günzköner, vorm. Hans Strasser

Wolf Siess, vorm. Walter Georg Siess

Andreas Strasser, vorm. Leonhard Schuster

Hans Adam Rosenberger, vorm. Michl Hiebl

Hans Zwickh, vorm. dessen Vater auch Hans Zwickh

Michael Mayr, vorm. Erhard Mantl

Georg Lorenz, vorm. Georg Zwickh

Niclas Weiss, vorm. dessen Vater Hans Weiss

Mathes Hochmueth, vorm. dessen Vater Veith Hochmueth

Valentin Zwickh, vorm. Georg Zwickh

Hans Braun, Huefschmied, vorm. Hans Georg Schmauss

Hans Strasser, vorm. Georg Winkler

Andreas Schuster, vorm. Wolf Seidl

Hans Kummetsteiner, vorm. Weiss

Erhard Höcht, vorm. Leonhard Schuster

Simon Siess, vorm. Hans Lorenz

Wolfgang Darrer

Ein schlimmes Ereignis für Wackersdorf ist der Brand vom Jahre 1767. Im Hottnerschen Bauernhof bricht im Stalle infolge der Kienspanbeleuchtung Feuer aus. Es wird das hintere Dorf samt dem Wirtshaus eingeäschert. Die Jahreszahl 1767 steht heute noch am Russbaum der Zimmerdecke im Sperlschen Gasthaus. 9 Jahre später, 1776 brennt das obere Dorf vom Merlhaus aus ab, woran die Jahreszahl am Russbaum des Anwesens Hausnummer 3 erinnert.

Landeshoheit und Behörden erfahren in der damaligen Zeit eine Vereinheitlichung. 1777 wird das Herzogtum Pfalz-Neuburg wieder mit dem Kurfürstentum Bayern vereinigt. 1803 wird das Pflegamt Schwandorf aufgelöst und dem Landgericht Burglengenfeld zugeteilt. Damit ist Wackersdorf seiner ehemaligen Behörde einverleibt.

Zum Steuerdistrikt Wackersdorf gehören 1808 die Orte Wackersdorf, Grafenricht und Brückelsdorf. Ein Verzeichnis des Landgerichts Burglengenfeld vom Jahre 1810 zählt die Gemeinde Wackersdorf mit 53 Hausnummern auf, davon entfallen auf Wackersdorf 25, auf Grafenricht 16 und auf Brückelsdorf 12 Anwesen.

 

6. Kirchliche Verhältnisse im 17. u. 18. Jahrhundert

Die meistern Archivalien, in denen der Ort Wackersdorf genannt wird, berichten über kirchliche Verhältnisse, über Kirchenvisitationen, Kirchenreparaturen usw. Auch das 17. U. 18. Jahrhundert bringt reichlich derartige Beiträge. Zunächst ist die Sorge der Wackersdorfer einen eigenen Seelsorger zu bekommen. 1663 richten sie ein Bittschreiben an den Bischof von Regensburg. Es scheint Erfolg gehabt zu haben; denn 1664 wird der Benediktinermönch Damian Maier aushilfsweise nach Wackersdorf bestellt und noch Ende desselben Jahres erhält die Pfarrei wenigstens einen eigenen Provisor in der Person des Wolfgang Wirttinger. Mit ihm beginnt die Einführung des Matrikelbuches, sodass Geburten, Heiraten und Sterbefälle ab 1664 in der Pfarrei registriert sind.

In zweiter Linie gelten die Bemühungen der Wackersdorfer der Reparatur des baufälligen  Kirchleins. Schon in der Zeit des Lutheranismus ist die Klage laut geworden, dass die Kirche zu klein sei und in schlechtem Zustand sich befinde. Leider fehlen jetzt jegliche Mittel zur Ausführung des Planes. Um einige Gelder flüssig zu machen, wird versucht in Schwandorf um Nachlass des  Zehentdrittels anzuhalten. Das Spital Schwandorf ist nicht gewillt von seinem verbrieften Recht abzulassen. Ein zwanzigjähriger Streit entsteht um das Zehentdrittel. Geführt werden Bitten und Beschwerden seitens der Wackersdorfer Pfarrkinder von Herrn von Reysach zu Steinberg. Derbe und heftige Wort werden gewechselt, sodass selbst das bischöfliche Consistorium diese ungebührlichen Redensarten rügt.

1669 scheint Wackersdorf wieder ohne Geistlichen zu sein, weil am 16. Februar Paul Schwarzenberger, der Wirt, Hans Manl von Wackersdorf und Konrad Rötzer von Niederhof persönlich beim bischöflichen Consistorium um einen Seelsorger vorsprechen. Eine Zeit lang üben Provisors die Seelsorge aus: Joh. Phil. Bachmeier, Christoph Roth, nochmals Damian Maier, dann Joh. Georg Hering.

Der Pfarrhof Wackersdorf ist nun in erschreckendem Zustand: Der halbe hintere Teil ist abgetragen, die Ziegel sind zu dem Rathaus nach Schwandorf verkauft. Pfarrer Stephan Schwarz erhebt 1687 Beschwerde bei seiner vorgesetzten Behörde über den baufälligen Pfarrhof. Aber auch die Pfarrkirche hat dasselbe Aussehen.

Am 9. April 1696 berichtet sogar der Pfleger von Schwandorf Gg. Gottfried Wöhrner an den Kurfürsten von Pfalz-Neuburg, dass die Wackersdorfer Pfarrkinder mit ihrem Pfarrer wegen des Gottesdienstes zufrieden sind, weil sich keiner mehr getraut infolge der Einsturzgefahr hineinzugehen. Von der kurfürstlichen Regierung ergeht der Auftrag zur Reparatur, allein die Mittel hierzu sind nicht vorhanden. Es bleibt bei dem Vorschlag: Es sollen das Spital und der Pfarrer zu Schwandorf einen Teil des Zehents, den sie von Wackersdorf beziehen, nachlassen. Allein diese weigern sich hartnäckig. Jetzt wendet sich der derzeitige Provisor Peter Clemens Grien in einer kräftigen Beschwerde an den Kurfürsten. Die Rache hiefür bleibt nicht aus. Am 15. Oktober 1696 schreibt der Pfleger von Schwandorf an die Regierung: „Bei der Pfarr Wackersdorf betreffend geht es schlecht her; der Pfarrer verrichtet zwar an Sonn- und Feiertagen seine Ämter und Predigt, aber von Vesper und Kinderlehren hört man nichts. Beschweren sich auch die Pfarrkinder wider ihn, dass man ihn sogar nit im Pfarrhofe zu Haus finden kann, wenn ein geistlicher Notfall vorfällt, muss man ihn da und dort suchen und holen“. Der Pfarrprovisor ist Gegenstand noch mehrerer gehässiger Schreiben ja er wird sogar zum Kammerer nach Wiefelsdorf vorgeladen. Die Wiederherstellung der Kirche schiebt sich auf diese Weise hinaus.

Auch die Nachfolger im Pfarramte Joh. Caspar Schaidt und Andreas Baader müssen sich mit den damaligen Verhältnissen abfinden. Von letzterem ist übrigens folgende Notiz aus dem Pfarrbuch bemerkenswert: „Am 23. März 1729 wurde beerdigt der hochwürdige Herr Andreas Baader, 78 Jahre alt, freiresignierter Pfarrer von Wackersdorf, gebürtig aus Pölling, des oberen Bayerns. Anno 1723 ist in der Nachkirchweih (nach Mariä Namen) von 12 Räubern nachts um 12 Uhr überfallen, verschlagen und ausgeraubt worden, die Summe gestohlen gewesen 3000 fl. ohne anders“.

Erst unter seinem Nachfolger Joh. Martin Spanner, der seit 1723 die Pfarrstelle inne hat, scheint die Pfarrkirche in Stand gesetzt und vergrössert worden zu sein. Aus einem Bericht des Pfarrers Joh. Michael Pertold vom 14. Juli 1741 an den Kurfürsten ist zu entnehmen, dass die Kirche noch vor seiner Übernahme der Pfarrstelle, also vielleicht 1737 restauriert und unter seiner Leitung nun die innere Einrichtung und Ausgestaltung geschehen ist. Mit welchen Schwierigkeiten und Anfeindungen Pfarrer Pertold zu kämpfen hat, zeigt eine Beschwerdeschrift desselben an den Kurfürsten vom 13.Juni 1742. Er berichtet darin, wie übel die Pfarrkirche vorher ausgesehen hat und was er alles zur Ausschmückung hat anschaffen lassen. Über seine Enttäuschung mit dem Pfleger von Schwandorf, Freiherrn von Quentl, meldet er: „Da alda Euere churfürstliche Durchlaucht schon genugsam wissen, dass dieser Bau mit Willen und Wissen des Freiherrn von Quentl angefangen , so hat er nicht nur wider allen churfürstlichen Befehl das den beiden Kirchpröbsten abgenommene Geld behalten, sondern gar, da ich solches begehrte…(mich) angefallen, ja mit der Hundskarbatsche zu jedermann Ärgernis traktieren wollen, da doch seine eigenen Bedienten bezeugen müssen, wie höflich und höchst freundlich ich selbigen um das Geld für die armen Bauleut ersucht habe.“

Nachdem nun Wackersdorf seine Pfarrkirche in Ordnung und auch einen eigenen Pfarrer hat, beginnt in Steinberg ein ähnlicher Vorgang. Hier ist es das Bemühen der Herren von Reysach einen Hofkaplan zu bekommen. Am 11. Februar 1756 errichtet Maria Barb. Franziska von Reysach auf Steinberg im Orte ein Benefizium im Verein mit ihrem Bruder Freiherrn Joh. Franz Bernhard von Reysach, Oberappellationsgerichtspräsident zu Neuburg.

Die Pfarrei Wackersdorf mit der Filiale Kronstetten ist seit dem auf ihre heutige Grösse beschränkt. Unter dem Pfarrer Jakob Arnold stiften 1782 die Bauern Augustin Windisch und Joh. Michl Westiner von Oder der Kirche zu Wackersdorf 2 grosse Glocken, die von Joh. Thomas Bendl in Amberg gegossen worden sind. Eine lange Reihe von Pfarrherrn zieht noch an uns vorüber, doch davon sei in einem späteren Teil die Rede.

 

7. Von den Anfängen des Schulwesens in Wackersdorf

Als alter Kultort ist Wackersdorf schon im 13. Und 14. Jahrhundert Sitz eines Pfarrers, aber noch nicht Sitz einer Schule. Je nach Befähigung werden wohl die Mesner einzelne Kinder im Schreiben und Lesen unterwiesen haben; aber alle diese Versuche, die der Regelmässigkeit entbehrten, können kaum als Schule angesprochen werden. Die ersten archivalischen Belege dieser Art sind Bemerkungen über die Person des Mesners. Solche finden sich in den Visitationen des Pfarrers und Superintendenten von Burglengenfeld Johann Tettelbach, der im Auftrage der Regierung die Kirchen und Schulen für den Nordgau des Herzogtums Pfalz-Neuburg zu inspizieren hatte (Staatsarchiv Amberg).

Aus dem Jahre 1556 steht der Satz: „Weckhersdorf. Kheine Schul.“ Daraus ist  zu ersehen, dass eine regelmässige Unterweisung zu jener Zeit hier noch nicht stattgefunden hat.

1575 ist das Einkommen des Mesners und dazu folgende Bemerkung notiert: „Der Mesner allda kann nicht singen, muss der alte Herr allein singen. Sollt sich bessern oder abgesätzt werden.“

1576 heisst der Bericht: „Custos zu Wackherstorff Linhard Lochner ein Weber, hatte Pfarrer an im kheinen mangel, allein, dass er ein viertl Jahr dem pfarrer in der Kirchen nicht hat wollen singen helfen, darumb dass imme sein Weib gestorben. Ihme bevolhen worden, er soll wieder singen, hat lang genug umb sein weib gethrauert. Es sind nicht alle frölich, die singen.“

1577 erzählen die Akten: „Custos Hanns Weiss von Pfarrkirchen kann nicht wol singen. Beklagt sich die Gemein, dass so viel Kriegsknecht und Landstreicher zu grossen Haufen miteinander laufend den Leutten sehr beschwehrlich sind, schnarchen, schelten, pochen, stehlen und nehmen Hühnerhaus und was sie bekommen.“

1610 erscheint der „Schulmeister und Mesner Paulus Fischer, hat 10 Kinder in visitationes in der Schul gehabt, in Wintter uff meist 16, mit welchen er fleissig, dessen ihm Pfarrer und gemein das lob geben.“

1616 findet sich unter Wackersdorf: „Schulmeister und Messneer: Veit Prunhuber, ein Weber, den beydes Pfarrer und gemein seiner Fromheit und Fleiss halbere rühmen, helt Schul, darinnen er bei 10 Kinder gehat. Dieser hat seine eigene Herberg und hat mit des Kirchenverwalters consens das Messnerhaus einem Jnwohner überlassen.“

„Filial. Zue Kronstetten ist Wolf Schwab, des gewesten Pfarrers zu Bettenreuth Adam Schwaben Sohn, der hat auch 9 Schuelkinder, mit denen er fleissig, auch sonsten sich wohl verhält (8 Herdstatt).

Filial. Zue Steinberg ist Hanns Löchel Messner, welcher neulich aufgezogen. Will Pfarrer fleissig daran sein, dass die Schulen ihren Fortgang haben.“

Nun folgen die Jahre des 30 jährigen Krieges. Während dieser traurigen Zeit schweigen die Akten über das Schulwesen in Wackersdorf. Dieses wird auch geruht haben; denn nach Wiedereinführung der katholischen Religion ist Wackersdorf lange Zeit ohne Pfarrer und wird, wie schon berichtet, von Schwandorf aus pastoriert, sodass es unwahrscheinlich ist, dass damals ein eigener Mesner und Schulmeister amtiert hat.

Nach dem 30-jährigen Krieg wird der Schulbetrieb in Wackersdorf und den Filialorten wieder aufgenommen. Die ab 1664 beginnenden Pfarrmatrikelbücher geben über die Namen der Schulmeister genau Aufschluss.

Von 1664 – 1678 ist Paul Löw, teutscher Schulmeister. Er hat vorübergehend auch dem Wirtshaus vorgestanden.

Von 1678 – 1684 hat Leonhard Schuster das Amt des Mesners und damit auch jenes des Schulmeisters inne. Ursprünglich als Weber in Brückelsdorf, ist er nach Wackersdorf verzogen, gibt dort nach einigen Jahren seine Mesnerstelle auf um das Wirtsanwesen zu übernehmen.

Von 1684 – 1704 ist Andreas Horn Mesner (ädituus) und Schulmeister im Amt (ludi magister). Sein Name ist auch zu finden in den Briefprotokollen des Pflegamts Schwandorf, die von Beschwerden verschiedener Einwohner Wackersdorfs aus den Jahren 1685 und 1686 erzählen.

Von 1704 – 1738 erscheint Joachim Schuster als Mesner und Lehrer. Fast 100 Jahre stellt die Familie Schuster nun die Lehrer in Wackersdorf. Sie kann als das verdienstvollste ortsansässige Lehrergeschlecht von einst bezeichnet werden.

Von 1738 – 1771 wirkt Andreas Schuster. Von Beruf Schneider wie sein Vater, übernimmt er auch als „Erbe“ die Unterweisung der Kinder des Dorfes in den notwendigen Kenntnissen.

Im folgt von 1771 – 1800 sein Sohn Wolfgang Schuster im gleichen Amte. Er stirbt im Jahre 1800 im Alter von 70 Jahren. Mit ihm schliesst die lange Reihe der Schuster als Mesner und Lehrer, die in Wackersdorf drei Menschenalter hindurch das Schulzepter geführt, den Glockenstrang gezogen und zum Gottesdienst und Begräbnis gesungen haben. Zugleich endet mit ihm jene Zeit, in welcher der Volksschulunterricht noch von Personen ohne staatliche Vorbildung für den Lehrberuf erteilt worden ist.

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1. Von der Entstehung des Namens.

Mit der Erklärung des Namens „Wackersdorf“ hat sich schon im Jahre 1845 der erste und einzige Chronist von Wackersdorf, der Lehrer Kaspar Glas befasst. Dieser kam zu folgender Feststellung:

„Wackersdorf soll nach einer uralten Sage den Namen von einem Gutsherrn, nämlich von dem Herrn von Wacker, der hier auf dem Schlösslein von dem noch Mauerüberreste zu sehen sind, gelebt haben, erhalten haben.“

Bis jetzt konnten weder Urkunden von einem Schloss noch von einem Grafen „Wacker“ in den Archiven vorgefunden werden. Wenn die Möglichkeit des Vorhandenseins eines Schlosses in der mittelalterlichen Zeit bestimmt nicht bestritten wird, so sind für die Existenz eines Besitzers „Wacker“ nicht die geringsten Anhaltspunkte zu erbringen. Die Unrichtigkeit obiger Angabe erhellt daraus, dass in den Frühurkunden der Ortsname ganz anders lautet und erst in späterer Zeit seine jetzige Prägung erhalten hat.

Ursprünglich soll Wackersdorf B o g e r a t e s d o r f geheissen haben. Die Erkläung dieses Namens, der mit dem heutigen etymologisch nichts zu tun hat, dürfte etwas schwer fallen. Meines Erachtens ist dieses „Bogerates“ der latinierte Name eines Ansiedlers oder, was noch wahrscheinlicher ist, des einstigen Gutsherrn, für dessen Existenz Sage und Volksmund warm eintreten.

Sicher aber ist, dass der Name Bogeratesdorf nur eine Formulierung beurkundender Mönche gewesen ist und weder durch das Volk entstanden noch von ihm gebraucht worden ist.

Das Volk hiess den Ort in frühester Zeit „Weikersdorf“ oder „Weikherstorf“. Diese Schreibweise findet sich in verschiedenen Archivalien, so aus den Jahren 1224, 1326, 1435, auch späterhin in den Pfarrmatrikelbüchern. Manchmal erscheint auch „Weykersdorf“(Dombauregister 1941), „Wagkerstorf(Dombauregister 1521), „Wackerstorf(Lengfelder Saalbuch 1554), „Weckerstorf“(ebenda 1575), „Waikerherstorf“( Pfarrmatrikel 1678). Jedenfalls ist daraus ersichtlich, das „a“ in Wackersdorf früher als „ä“ oder „e“ gelautet hat und aus einem „ei“ entstanden ist.

Der Name „Weikherstorf“ oder vielleicht noch älter „Weicherstorf“ dürfte also seine Entstehung den vielen Weihern der Umgebung des Ortes verdanken. Die grossen Weiher und Sümpfe dieser Gegend geben auch heute noch der Landschaft das Gepräge und spielen in den Gerichtsurkunden von Schwandorf eine grosse Rolle. Hier seien nur die Namen angeführt: Die Breitwies, die Lohe, die Weyrstat in der Oder, der Pachweiher, der Harreuslweiher, der Trattelweiher, der Moosweiher, der Stockweiher, der Traidenweiher. Alle diese Umstände lassen mit einiger Sicherheit annehmen, dass die Ansiedlung inmitten des Weihergebietes den Namen “Weiherdorf“ erhalten hat. Aus dieser ursprünglichen Fassung dürfte, bedingt durch die Flüssigkeit der damaligen Schreibweise, im Lauf der Jahrhunderte die jetzige Schreibung „Wackersdorf“ entstanden sein.

 

2. Von den ältesten Zeiten.

Über den Anfang von Wackersdorf ist, wie über viele Dörfer unserer Heimat, Dunkel gebreitet. Ob es je gelingt es zu erhellen, ist fraglich. Es ist auch das Bemühen zahlreicher Heimatforscher, aus dem Ortsnamen die Zeit der Entstehung abzuleiten, meines Erachtens Konstruktion, die erst des geschichtlichen Nachweises bedarf. Darnach wären alle Ortsnamen, die auf „dorf“ und „stetten“ endigen, hermundurische Siedlungen. Die Hermunduren waren ein Gemisch von Hermionen, Thüringern, Nariskern und Sueben und überschritten 479 die Nab in der Gegend des heutigen Schwandorf. Sie siedelten bis Neunburg v. W., bis hinüber zum Regen und hinab zur Donau. Nach dieser Theorie wäre also auch Wackersdorf eine hermundurische Gründung, also schon um 500 entstanden. Doch verlassen wir uns auf sichere Geschichtsquellen.

Als älteste Urkunde, die mit Wackersdorf in Zusammenhang steht, gilt eine Prüfeninger Klosterurkunde aus der Zeit von 1118-1147. Die Urkunde findet sich wortgetreu in Monumenta Boica, Bd.8, S. 43. Sie ist lateinisch abgefasst und des Inhalts, dass ein Erchinbert von Altendorf dem Kloster Prüfling (Prüfening) einen Hof zu Bogeratesdorf am Begräbnistag seiner Ehefrau Pilicia geschenkt hat. In einer Randbemerkung der Urkundensammlung heisst es, dass dieses Bogeratesdorf identisch sei mit dem Orte Wackersdorf, im Herzogtum Neuburg gelegen.

Eine andere Urkunde, die Wackersdorf erwähnt, stammt aus dem Jahre 1217. Die Kunstdenkmäler des Königreiches Bayern, Bd. 2, Heft 5 nehmen darauf Bezug, wenn sie von Schwandorf berichten:“1217 gehört Schwandorf noch zur Pfarrei Wackersdorf. 1318 ist es bereits eigene Pfarrei.“

Im Jahre 1224 ist Wackersdorf dem Gerichte Vilshofen abgabepflichtig. Im Wittelsbacher Urbar werden „die urbar und die guelt in dem gerihtt zu Uilshoven“ aufgezählt. Hier steht: “Aber Weikerstorf 1 guot“ (Monumente Boica, Bd. 36).

1326 findet sich wieder der Namen Weikerstorf in dem im Münchener Hauptstaatsarchiv neu entdeckten Pfarreienverzeichnis. Die Pfarrei Weikerstorf ist darin wie Swant,Wibelsdorf, Newnkirchen dem Dekanat Swaintzendorf zugehörig und muss an den Metropoliten in Salzburg als subsidium charitativum 20 Pf (Regensburger Silberpfennige) leisten (Jahresbericht des Vereins zur Erforschung der Regensb. Diözesangesch.1927).

1361 ist die Rede von einem Maierhof in Wakcherstorf, der damals im Besitze Ulrich des Losoners von Lengfeldt stand. Die diesbezügliche Urkunde befindet sich im Hauptstaatsarchiv München.

Meines Erachtens gehörte Wackersdorf im 13. und 14. Jahrhundert zum Richteramte Neunburg v. W., dem es schon zur Zeit der Gauverfassung zuständig war. Wenn auch der eine oder andere Hof nach Vilshofen oder dem Kloster Reichenbach zinsbar war, so widerspricht das nicht dem Gesagten. Auch die Tatsache, dass Wackersdorf in dem Salbuch, das Otto der Erlaucht über die wittelsbachischen Besitzungen im Nordgau um 1240 anfertigen liess, nicht erscheint, gibt Grund zu obiger Annahme. Das Amt zu Swainkendorf(Schwandorf) ist darin mit folgenden Zugehörungen aufgeführt: Swainkendorf, Lintenloh, Rotahe, Hovelin, Nidernhove, Menstetten, Alberndorf, Natermoos, Ode und Prizat. Während alle Nachbardörfer westlich und nördlich von Wackersdorf genannt werden, finden sich Wackersdorf und alle Orte östlich davon nicht vor. Dieselbe Merkwürdigkeit tritt wieder auf in dem Salbuch von 1283 und jenem von 1326,beide für das Vizedomamt Lengfeld angelegt. Wahrscheinlich ist die Grenze der beiden Ämter Lengenfeld und Neunburg damals zwischen Alberndorf und Wackersdorf verlaufen.

Es ist auch anzunehmen, dass Wackersdorf zu jener Zeit eine Hofmark gewesen ist. Die Hofmarken, meist Gutskomplexe in den Händen von Adeligen waren keinem Pflegamte unterstellt, sondern übten die niedere Gerichtsbarkeit selbst aus. Tatsächlich wird Wackersdorf erst Mitte des 17. Jahrhunderts einem Pflegamte unterstellt. Noch im 16. Jahrhundert ist es nur dem hohen Landgericht auf dem Nordgau in Lengfeld zuständig. Wie der adelige Gutsherr geheissen hat, lässt sich nicht mehr bestimmen. Vielleicht ist er im Solde eines mächtigen Herrn, ev. der Grafen von Altendorf-Neuburg (Neunburg) gestanden. Von dem Schloss in Wackersdorf sollen Mauerüberreste noch bis Ende des 19. Jahrhunderts bestanden haben. Alten Leute ist auch bekannt, dass ein breiter, 4 m tiefer Wallgraben, der wahrscheinlich um die Burgstelle geführt, vorhanden gewesen ist. Dieser Anlage nach wird es also ein Weiherburg gewesen sein. Vielleicht wurde sie schon zur Zeit der Hussiteneinfälle zerstört. Dass die Hussiten diese Gegend arg verwüstet haben, ist geschichtliche Tatsache. 1419 plünderten sie Wiefelsdorf und brannten es vollständig nieder. 1421 verheerten sie Schwandorf und seine nähere Umgebung. Es ist möglich, dass sie damals auch Wackersdorf heimgesucht haben.

Als nächstes Dokument, das für die damalige Existenz des Ortes spricht, dient ein Dietfurter Salbuch von 1435: Eine Hofstatt nebst Äckern und Wiesen in Weikersdorf gibt 1 fl. Landeswährung und 1 Fastnachthuhn.

1438 ist der Ort wieder als Pfarrei bezeugt unter dem Namen Walkersdorf. Er hat ein Pleban(=Pfarrer) und Gronstetten einen selbständigen Vikar von Swainkendorf.

1459 leistet die Pfarrei Walkerstorf einen Beitrag zum Regensburger Dombau (Dombauregister).

1472 überweisen nach einer Schwandorfer Urkunde Bürgermeister und Rath zu Schwaingdorf am Samstag v. Matthäi dem Pfarrer zu Wackersdorf einen Fischbehälter zu 4 Reg. Pfennigen jährl. Zins (Verhandlungen des historischen Vereins der Oberpfalz, Bd.24, S. 242).

Die Vergebung der Pfarrei Wackersdorf an einen Geistlichen geschieht zu damaligen Zeit durch einen Adeligen. Die Kirche wird auch ursprünglich Schlosskirche gewesen sein. Das Patronatsrecht und damit das Recht der Verleihung der Pfarrstelle hat seit alters her das Adelsgeschlecht der Paulsdorfer von Kürn inne gehabt. Ein Ahnherr dieses Stammes Wilhelm von Paulsdorf zu Kürn ist als Bannerträger in der Schlacht gegen die Hussiten bei Hiltersried 1433 schwer verwundet worden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass von Schloss und Herrschaft zu Wackersdorf nur mehr die Kirche übrige geblieben ist und die Paulsdorfer dann das Vergebungsrecht erhalten haben. Fast 100 Jahre treten die Herrn von Paulsdorf als „Collatores“ der Kirche von Wackersdorf auf.

1512 verleiht Christoph von Paulsdorf dem Geistlichen Leonhard Kolbinger die Pfarrei Wackersdorf, 1531 erhält sie Sigmund Springinklee. Weitere Nachrichten über die Pfarrei finden sich dann in der Refomationszeit.

Zusammenfassend sei gesagt: Die urkundlichen Quellen über Wackersdorf fliessen im Mittelalter äusserst spärlich. Seine Existenz als Hofmark kann als wahrscheinlich angenommen, aber nicht belegt werden. Fest steht, dass Wackersdorf schon im Mittelalter eigener Pfarrort, Sitz eines Geistlichen, eines Gasthauses u. mehrerer Handwerker gewesen ist und viele Erbhöfe umfasst hat.

 

3. Der Ort in der Reformationszeit

In der Reformationszeit kommt der Ort Wackersdorf zum Landrichteramt Burglengenfeld, dem er nachweisbar von 1544 – 1636 unterstellt ist. Das Amt Burglengenfeld aber ist bereits als eine Folge des Landshuter Erbfolgekrieges durch den Kölner Spruch vom 30. Juli 1505 von Altbayern losgelöst und dem Fürstentum Neuburg, das auch die „Junge Pfalz“ genannt wird, einverleibt.

Der Ort Wackersdorf besteht um1550 aus 8 grossen Höfen und 2 Sölden. Mehrere jener Bauernhöfe haben mit den dazugehörenden Grundstücken eine Fläche von über 150 Tagwerk inne Ihre Besitzer sind stolz auf ihren grossen Viehbestand und ihre Frauen stiften gern dem „Gotzhaus zue Wackerstorf“ 2 oder 3 Gulden. Als solche Familien werden zu jener Zeit genannt die „Ertl“, die „Ludwig“, die „Tuechbraiter“. In den Sal-und Zinsbüchern des Kastenamts Burglengenfeld tauchen ihre Namen im 15.,16. und 17. Jahrhundert immer wieder auf. Ein Andre Ludwig bezw. dessen Weib gar 50 Gulden Erbrechtgeld (Salbuch des Kastenamtes Burglengenfeld vom Jahre 1554).

Um diese Zeit beginnen nun die ständigen Glaubenswechsel und die einschlägigen Archivalien erschöpfen sich in der Hauptsache in Berichten über kirchliche Verhältnisse. Otto Heinrich hat durch Edikt vom 23. Juni 1542 in dem ganzen Herzogtum die lutherische Religion eingeführt. 1543 tritt Schwandorf Dekan Anzinger mit seinem ganzen Kapitel öffentlich zur neuen Lehre über. Bischof Pankratius Sinzenhofer fordert in einem Hirtenbrief vergebens zur Treue auf. Dem Schwandorfer Beispiel folgen sofort auch die Geistlichen des ganzen Bezirks. Der 1537in Wackersdorf installierte Pfarrer Johann Bräu erklärt noch 1543 seinen Beitritt zum Lutheranismus. Die Regenten führen die neue Lehre gemäss dem Grundsatz „cuius regio eius religio“ im Lande ein u. zwar der erste reformiert, der zweite kalvinisch, der Nachfolger lutherisch, der nächste kalvinisch.

Zur Visitation der Kirchen (und Schulen) des Herzogtums Pfalz-Neuburg wird der lutherische Pfarrer und Superintendent von Burglengenfeld Johann Tettelbach aufgestellt. In Wackersdorf üben weiterhin die Herrn von Paulsdorf zu Kürn ihr Verleihungsrecht über die Pfarrkirche aus.: „Lucas Besserer Pfarrherr empfeht Lehen von Sebastian von Paulsdorff anno 1552, darüber Melchior Walrab(Bericht) gefertigt (Paulstorffische Curatorei).

1555 erhält die Pfarrei Wackersdorf erheblichen Zuwachs, da die Filiale Kronstetten mit Alberndorf, Höflarn, Immenstetten, Niederhofen vom Pfarrverband Schwandorf gelöst und Wackersdorf zugeteilt wird. Mit den 2 Filialen Kronstetten und Steinberg ist der Bezirk der Seelsorge jetzt sehr umfangreich geworden. Abgesehen von dem Arbeitsbereich sind auch die Wohnungsverhältnisse des Pfarrers in Wackersdorf damals nicht rosig. Ein Visitationsbericht meldet, dass der Pfarrer Jakob Zengl 1560 seines Postens enthoben worden ist, weil er sich nicht examinieren hat lassen (Wahrscheinlich in der neuen Glaubenslehre). Ein neuer Pfarrer aus Illschwang soll aufziehen. Dieser muss aber mit seinem Einzug warten bis auf Walpurgis des Jahres 1561 weil „das Pfarrhaus zu Wäckerstorff gar paufellig ist“.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Sage verweisen, nach der der  Pfarrhof in Wackersdorf das herrschaftliche Schlossbaugut gewesen sein soll. Er hat auch ganz dazu das Aussehen. Glas schreibt davon: „Er gleicht einer alten Rüstkammer voller Kammern; es sind in demselben nur zwei wohnbare Zimmer vorhanden“ (Chronik von Glas beim Historischen Verein der Oberpfalz in Regensburg).

Dieser schon damals (1560) ob seines Alters baulich heruntergekommene Pfarrhof wird nun auf Befehl des Landesherrn, des Herzogs Wolfgang, gerichtet und instandgesetzt, allerdings nur notdürftig, sodass ihn der neue lutherische Pfarrherr Gregorius Pommert 1561 beziehen kann. Bei seinem Amtsantritt in einem Alter von 67 Jahren, versieht er die Pfarrstelle noch 16 Jahre.

1571 erhält die „Pfarrkirchen Weckherstorff“ durch den „vesten Hanns Christoph von Paulsdorf zu Khürn“ einen neuen Lehensträger: „ Stefan Örtl (Ertl) hat zu Lehen empfang als Lehensträger Sant Stephans-Kirchen daselbst mit aller ihrer ein und Zugehörung“ usw (Lehenregister der Paulsdorffischen Reichsafterlehen).

Von Weihnachten 1574 bis zum Frühjahr 1575 herrscht in Schwandorf und Umgebung die Pest.  Wieviele Wackersdorfer dadurch hinweggerafft worden sind, ist nicht bekannt. Die Seuche aber breitet sich bis nach Mappenberg aus. Hier sterben eine Bauersfrau und ihre Magd an der Pestilenz. Ihr Leichen werden nach Wackersdorf geführt, aber dort vom Pfarrer nicht beerdigt, weil die Orte nach Kronstetten gepfarrt sind. „Hat der Bauer sein leich wider haimb gefühürt und zu Schwandt begraben lassen“ (Staatsarchiv Amberg, Verzeichnis gehaltener Visitationen usw.).

Als Pfarrherr in Wackersdorf erscheint 1577 Hans Preiser, der im selben Jahr mit Magdalena, der Schwester des Richters Michael Toni von Schwandorf, getraut wird. Zum Pfarrhof gehören nun 14 Tagwerk Wiesen, die dem Pfarrer ein jährliches Gült von 6 Regensb. Pfennigen eintragen.

Als Nachfolger im Pfarramt wird 1610 der Pastor Balthasar Mühlbacher genannt. Er ist 22 Jahre Schulmeister gewesen (damals Voraussetzung für die Zuweisung einer Pfarrstelle) und seit 1584 Pfarrer. Er scheint der letzte lutherische Geistliche in Wackersdorf gewesen zu sein; denn 1617 führt Herzog Wolfgang Wilhelm von Neunburg die katholische Lehre im Herzogtum ein, nachdem genau 75 Jahre das Land zum Lutheranismus gestanden hat.

 

4. Im Dreissigjährigen Krieg

Zu Anfang des Dreissigjährigen Krieges wird in allen Orten des Herzogtums Pfalz-Neuburg ohne Rücksicht auf den Willen der Bevölkerung die katholische Lehre wieder eingeführt. In Schwandorf stösst diese Anordnung auf besonderen Widerstand. Pfleger und Rat der Stadt suchen mit allen Mitteln den Einzug des katholischen Geistlichen zu hintertreiben. Aber schliesslich siegt  doch der Machtspruch des Höheren, des Herzogs Wolfgang Wilhelm, sodass Pfarrer Leonhard Strobl aus Viechtach sein Amt in Schwandorf antreten kann. Ein Jahr später, am 20. Juni 1618, wird dieser Leonhard Strobl, trotz seiner wohlbegründeten Einwände dagegen, durch den Richter von Lengfeld auch als Pfarrer von Wackersdorf und Neukirchen installiert.

Während des ganzen Dreissigjährigen Krieges wird nun Wackersdorf in kirchlichere Beziehung von Schwandorf aus betreut. Pfarrer Strobl hat es nicht leicht, zumal die Bevölkerung den Glaubenswechsel nicht mitmachen will. In Alberndorf, wo er damals als Kind katholisch getauft hat, wird er von den lutherischen Anhängern bis nach Schwandorf herein verfolgt und  mit Steinwürfen halb getötet. So erzählt die Sage. Spätere Zeitgenossen haben an der Stelle, wo der Geistliche unter den Steinwürfen zusammengebrochen sein soll, eine Säule mit einem aus Stein geformten Priesterbarett anbringen lassen. Die Inschrift aus dem Jahre 1850 lautet: „Nach Wiedereinführung der katholischen Religion in Schwandorf war erster, aber hart verfolgter Pfarrer Leonhard Strobl von 1617 – 1645.“ Heute ist diese Säule nicht mehr vorhanden.

Im Jahre 1621 beginnen nun schon die unheilbringenden Ereignisse des Krieges sich bemerkbar zu machen. Die Strassen um Schwandorf sind unsicher geworden und jedermann muss gewärtigt sein von den in Massen in der Gegend zwischen Schwandorf und Wackersdorf erscheinenden Reitern ausgeplündert zu werden. Der Kanzler der alten Pfalz in Amberg beschwert sich in einem Schreiben an den Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm, dass nicht einmal seine Kanzleiboten auf dieser Strasse ungeschoren des Weges ziehen können und bittet um gefällige Abstellung.

1632 rückt das Heer des Kurfürsten Maximilian von Roding über Nittenau und Schwandorf nach Amberg. Ob die Gegend um Wackersdorf schon von diesen Truppen heimgesucht worden ist, wird uns nicht erzählt. Überhaupt schweigen die Berichte über Wackersdorf in der damaligen Zeit fast ganz. Dass aber dem Orte übel mitgespielt worden ist, lässt sich aus den Standbüchern des Amberger Archivs, die von verödeten und leeren Anwesen sprechen, erkennen. Vielleicht haben auch die Schweden den Ort verheert, nachdem sie 1633 Schwandorf geplündert haben.

1634 wird die Gegend von Regimentern Bernhards von Weimar und von sächsische Reiterregimentern überschwemmt, Schwandorf wird gebranntschatzt und ausgeraubt. Bald darauf erscheinen die Kaiserlichen und hausen nicht schlechter.

Die grösste Heimsuchung aber bringt 1634 die Pest, die nun zum zweitenmale hier grasiert.  Eingeschleppt durch jene Söldnerscharen, rafft sie ein Drittel der Menschen hinweg.

In jener Zeit der Wirren und Kümmernisse werden die Besitz- und Zugehörigkeitsverhältnisse vieler Ortschaften der Gegend neu geregelt.1635 erhält Goswin Freiherr von Spieringk zu Fronberg von Herzog Wolfgang Wilhelm in Anbetracht seiner ausgezeichneten Verdienste eine „Konzession“, worin ihm die Landgerichtsuntertanen zu Prissatt, Lindenlohe, Freyhöls, Kronstetten und Brückelsdorf geschenkt werden. Alle die genannten Ortschaften werden zu einer Herrschaft erhoben und zum Manneslehen verliehen. Dieses empfängt von Spieringk laut Lehenrevers  vom 26. März 1636 nebst dem Verzeichnis der Untertanen. Damit reicht nun die Fronberger Herrschaft, die schon seit Jahrhunderten in der Gegend begütert war, mit ihrem Machtbereich bis an die Ostgrenze des Landrichteramtes und nützt ihre Befugnis, wie später berichtet wird, oft in unverschämter Weise aus.

1636 wird Wackersdorf, das bisher als vorgesetzte Behörde das Landrichteramt Lengenfeld kannte, dem Pflegamt Schwandorf zugeteilt, wie aus einer Urkunde des Staatsachivs Amberg zu entnehmen ist. Steuern und Zinsen fliessen nun in den „Kasten“ zu Schwandorf und Handel und Streitigkeiten, Kauf- und Verkaufsangelegenheiten werden vor dem Richter in Schwandorf geregelt.

Die letzten Jahre des Dreissigjährigen Krieges aber bringen so viel Leid über die Umgebung Schwandorfs, dass von einem geregelten Handel und Verkehr, von ausgeglichenen Rechtsverhältnissen keine Rede sein kann. Neue Kriegsvölker, die in Schwandorf sich nicht genügend erbeuten, durchstreifen das flache Land. Bald reiht sich Brandruine an Brandruine. Der Rest der Bewohner verkriecht sich in die Schlupfwinkel der Gegend oder geht flüchtig. Jahrelang liegen die Feldfluren öde und leer aus Mangel an Arbeitskräften und aus Angst vor der Verwüstung durch Kriegshorden. Der Wert des Geldes und der Lebensmittel steigt ungeheuer, während der Wert der Grundstücke furchtbar sinkt. So soll 1648 das Hofgut zu Nattermoos um einen Laib Brot und um wenige Gulden verkauft worden sein.

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Vorwort

Wackersdorf, heute eine Industriegemeinde mit rund 1450 Einwohnern, 5 km von dem Eisenbahnknotenpunkt Schwandorf entfernt, Sitz einer Gemeindebehörde, Kirche, Schule und Gendarmeriestation, in der Neuzeit bekanntgeworden durch das Vorkommen von Braunkohle, das den Bau einer Gruben- und Fabrikanlage zur Folge hatte, ist Gegenstand der folgenden Darlegungen, die vor allem die geschichtliche Entwicklung des Ortes, insbesondere seiner Pfarrei und Schule zu zeigen sich zur Aufgabe gesetzt haben. Alles erreichbare Quellenmaterial ist zu diesem Zwecke herangezogen und durchforscht worden. Das Staatsarchiv in Amberg hat den Hauptbeitrag geliefert. Neben der gedruckten Literatur sind zur Durcharbeitung gekommen:

23 Akten bezw. Urkunden über Wackersdorf und Umgebung. 5 Sal- und Zinsbücher des Kastenamtes Burglengenfeld, 4 Sal -und Zinsbücher des Kastenamtes Schwandorf, 7 Briefsprotokolle des Pflegamtes Schwandorf und 3 Lehenregister der Herrschaft zu Kürn. Ausserdem haben eine Abschrift der Chronik von Kaspar Glas, sowie einige Aufzeichnungen des Pfarramtes zur Verfügung gestanden. Nach menschlichem Ermessen dürften die Quellen über obigen Gegenstand erschöpft sein, wenn nicht der Zufall eines Tages eine geschichtliche Neuigkeit zu Tage fördert.

Ich möchte vorweg nehmen, dass die Geschichte Wackersdorfs nur ein bescheidens Abbild aller grossen Zeitgeschehnisse gibt. Trotzdem liefert sie uns ein Stück Heimatgeschichte, das zu erleben ich jedem Leser von Herzen wünsche.

Schwandorf, den 30.4.1938

M a r t i n  I b l e r,

Lehrer in Wackersdorf

 

 

Ortschronik von Wackersdorf mit besonderer Berücksichtigung der Pfarr- und Schulgeschichte

 

Teil 1: Von der Entstehung des Namens Wackersdorf  bis zu den Ereignissen im Dreißigjährigen Krieg

Teil 2: Von den Ereignissen nach dem Dreißigjährigen Krieg bis zu den Anfängen des Schulwesens in Wackersdorf

Teil 3: Kirche und Schule im 19. Jahrhundert in Wackersdorf - das alte Wackersdorfer Wirtshaus und seine Besitzer

Noch nicht freigegeben: Teil 4: Entstehung und Entwicklung des Braunkohlebergwerks - Das Dorf Wackersdorf im Weltkrieg

Noch nicht freigegeben: Teil 5: Verhältnisse in den Nachkriegsjahren in Wackersdorf - Ausbau des Schulwesens in Wackersdorf - eingeschulte Orte und ihre Bedeutung

Teil 6: Nachbetrachtung zur Chronik von Martin Ibler

 

 

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Ein Projekt von (Josef Hottner und Andreas Hottner)

 

Josef Rappel, der uns als letzter großer Ortschronist von Wackersdorf bekannt ist (Wackersdorf. Das Werden einer modernen Industriegemeinde. Beiträge zur Geschichte der Gemeinde und Pfarrei Wackersdorf, 1974), als auch eine Autorengemeinschaft, die 2009 die Historie unseres Ortes neu aufrollte (Wackersdorf im Wandel der Zeit, 2009), haben uns Wackersdorfer Geschichte dokumentiert.

Nach längeren Recherchen hat sich nun herausgestellt, dass unser Ort weit mehr als diese Ortschronisten kennt. Auf den ältesten bislang bekannten Wackersdorfer Geschichtsschreiber, Kaspar Glas, haben wir bereits in einem kleinen Artikel hingewiesen. Des Weiteren bemühte sich der ehemalige katholische Pfarrer Josef Scherm (Wirkungszeit in Wackersdorf 9.3.1927 - 12.12.1933) um die Bewahrung geschichtlicher Ereignisse, die unseren Ort betreffen. Dafür legte er im Jahre 1929 eine Pfarrchronik an. Dort finden sich nicht nur Abhandlungen zur Kirchengeschichte sondern auch zum Ort direkt.

Einen weiteren Kenner unserer Ortsgeschichte finden wir in Ludwig Gernhardt. Er veröffentlichte 1931 seine Gedanken in einer Niederschrift. Ein Jahr zuvor, am 5. August 1930, steuerte Gottfried Schießl wiederum seine Ausführungen zur Wackersdorfer Ortsgeschichte bei. Hier enden jedoch nicht die Anstrengungen, geschichtlich Wissenswertes über Wackersdorf in Wort und Schrift festzuhalten. Ein gewisser Martin Ibler, Lehrer in Wackersdorf, trug ab dem 30. April 1938 zur Geschichtsforschung bei.

Alle Chroniken liegen www.geschichte-wackersdorf.de nun vor. Sie sollen demnächst nach Digitalisierung, digitaler Überarbeitung und teilweiser Kommentierung hier veröffentlich werden, damit auch die breite Öffentlichkeit einen Zugang zur facettenreichen Wackersdorfer Geschichte findet.

 

Die Ortschroniken:

Kaspar Glas (1845, Teil 1)

Kaspar Glas (1845, Teil 2)

H. H. Pfarrer Scherm (1929)

Gottfried Schießl (5. August 1930)

Ludwig Gernhardt (1931)

Martin Ibler (30. April 1938)

Josef Rappel (1974)

 

 

 

 

 

 

 

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