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„Gemeinden können Persönlichkeiten, die sich um sie besonders verdient gemacht haben, zu Ehrenbürgern ernennen,“ so steht es in Art. 16 Abs. 1 der Bayerischen Gemeindeordnung. Auch in Wackersdorf wurde diese Ehre verschiedenen Personen zuteil. Heute informieren wir über einen  Ehrenbürger, der bis zu seinem Tod 2019 lange Jahre der Gemeinde Wackersdorf verbunden war. Es ist Dr. rer. pol. Jochen Holzer, lange Zeit Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender der damaligen Bayernwerk AG.

Was verband diesen Ehrenbürger mit Wackersdorf, der lange Zeit in München und in Bonn wirkte, werden sich manche fragen. Die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf (WAA) spielt dabei eine große Rolle. Unter www.onetz.de vom 01.06.2005 ist zum Thema WAA und Dr. Holzer Folgendes zu lesen: „Ich habe das sehr massiv betrieben, dass die WAA nach dem Scheitern in Niedersachsen in die Oberpfalz kommt.“

In diesem Bericht wird Dr. Holzer weiter zitiert: „Wir hatten viele Freunde hier und klar war auch, dass wir Wiedergutmachung für die Probleme leisten mussten.“ Und deswegen engagierte sich nach dem Aus der WAA der Ehrenbürger Holzer im Besonderen. Wer bei der Laudatio zur Ehrenbürgerernennung am 26. März 1991 im Sitzungssaal des Wackersdorfer Feuerwehrhauses dabei sein konnte, erfuhr, dass es gerade Dr. Holzer war, der sich für die Region, insbesondere für Wackersdorf einsetzte, als das Ende der WAA im Mai/Juni 1989 besiegelt war.

In einer „Nacht-und Nebelaktion“, wie es Holzer formulierte, wurden 500 Mio. DM für Ansiedlungen bereitgestellt. Daraus entstand schließlich der Innovationspark mit heute ca. 5000 Arbeitsplätzen.

Auf der Homepage der Gemeinde Wackersdorf war des Weiteren folgender Punkt aufgeführt, der zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde führte:

  • Nimmermüder Einsatz bei den Betriebsansiedlungen sowie den finanziellen Unterstützungsmaßnahmen seitens der Energiewirtschaft.

Zum Dank und zur Erinnerung an die Verleihung der Ehrenbürgerwürde erhielt Dr. Holzer neben einer Urkunde eine handgeschnitzte Barbarafigur (die Schutzpatronin der Bergleute) überreicht. Bis zu seinem Tod hat der Ehrenbürger Kontakt zu seiner Gemeinde Wackersdorf gehalten; gelegentliche Besuche, brieflicher Austausch und hie und da ein Telefonat mit Wackersdorfern.

 

Dr. Jochen Holzer verstarb am 13.02.2019.

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„Westliche Ecke des Verwaltungsgebäudes, Badeanstalt mit Poliklinik, Kinderheim, Turnhalle“, so lautet die Bildunterschrift in der illustrierten Halbmonatsschrift „Das Bayerland“ im Märzheft des Jahres 1924. Deutlich erkennbar auch die Bergmannsstatue an der Ecke des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Bayerischen Braunkohlen Industrie A.G. (BBI AG), die der Münchener Bildhauer Georg Mattes schuf.

Im Gebäude oberhalb der sogenannten Poliklinik, wo später auch der Werksarzt bis zum Ende der BBI AG seine Wirkungsstätte hatte, waren über Jahrzehnte Schwestern des Niederbronner Ordens seit 1924 untergebracht. Ambulante Krankenpflege, Säuglingsfürsorge, Kindergartenbetreuung und Unterstützung im Klinikbetrieb waren die hauptsächlichen Aufgaben der Schwestern.

Nach dem Ende der BBI AG gab es verschiedene Nutzungen der einzelnen Gebäude. So war im ehemaligen Schwesternheim eine Glaubensgemeinschaft untergebracht. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude fand die DWW (Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen Wackersdorf) eine vorübergehende Bleibe. In den Kellergeschossen wurden verschiedene kleinere Betriebe untergebracht. Heute liegt das Verwaltungsgebäude mit Nebengebäuden in privater Hand.

 

Quelle:

Solleder, Fridolin Dr. (Hg.): Das Vaterland. Illustrierte Halbmonatsschrift für Bayerns Land und Volk, Jahrgang 34, Nr. 18, München 1924.

 Foto:

- Solleder, Fridolin Dr. (Hg.): Das Vaterland. Illustrierte Halbmonatsschrift für Bayerns Land und Volk, Jahrgang 34, Nr. 18, München 1924, S. 317.

- Privat

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Im Sommer 1885 kaufte Karl Otto Graf von Stockau aus Schwarzenfeld in der Nähe von Imstetten verschiedene zusammenhängende Grundstücke der Ortsgemeinde. 1886: Bau einer Villa mit Terrasse, Stallung, Stadel, Remise (Geräte-/Wagenschuppen) und Hofraum. Am 30. September 1891 erwirbt der Kaufmann Hermann Zwick aus Bärnau die Villa um 9000 M. Bereits ein halbes Jahr später wechselt sie erneut den Besitzer: Wilhelm Plücker, ein Architekt aus Dortmund, plant eine Pension einzurichten. Seine Planungen scheitern, obwohl das Bezirksamt keine Einwände erhebt, dafür aber die Gemeinde Alberndorf nicht einverstanden ist. So veräußert Plücker den Gesamtbesitz weiter an Willy Schönwetter aus Ludwigsburg. Von da an wechseln die weiteren Besitzer in rascher Reihenfolge. Nach dem Weltkrieg II. werden die Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Für den 16. Februar 1950 liegt ein Konzessionsgesuch eines Weinfurtners für die Eröffnung einer Gastwirtschaft vor. Am üblichen Alberndorfer Kirwatag, am Sonntag nach Pfingsten, wurde hier auch dieses Orts- und Kirchen begangen. Bereits 1951 erklärt das Landratsamt das „Gschlössl" für baufällig, 1955 ziehen die letzten Bewohner aus. Im Jahre 1956 kauft es die Familie Roidl von Irlach und lässt es abreissen. 

 

 

Quelle:

Freiwillige Feuerwehr Alberndorf (Hg.): 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Alberndorf, Alberndorf 1999, S. 162 -163. (Mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht)

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Man schrieb das Jahr 1911, der Großvater, der im Hüthaus in Irlach wohnte und sein Geld in der Wellpappfabrik in Klardorf verdiente, stand vor harten Zeiten. Seine Frau war plötzlich gestorben und die vier Kinder mussten ernährt werden. Außerdem brauchten sie dringend eine Mutter. Wie durch ein Wunder lernte er in seiner Arbeit eine Witwe kennen. Ihr Mann war vor kurzem an einer schweren Krankheit verstorben. Sie befand sich mit ihren beiden Kindern in derselben Notlage. Freunde und Arbeitskollegen freuten sich mit dem frisch gefundenen Paar, das jetzt wieder hoffen konnte.

Am 5. November 1911 gaben sie sich ja das Ja-Wort in Wackersdorf. Die Trauzeugen waren der 27 Jahre alte Schuhmachermeister Joseph Kagerer und der Gütler Joseph Merl, 42 Jahre alt, beide aus Irlach. Beide halfen dem frisch vermählten Paar, wo es nur ging.

Da der Winter vor der Tür stand, war es wichtig so rasch wie möglich Brennmaterial zu besorgen. Mein Großvater sägte, hackte und schlichtete das Holz, das seine beiden Freunde mühselig vom Wald heran schafften. Doch immer am nächsten Tag war der Holzstoß mächtig geschrumpft. Das war sehr merkwürdig, da Großvater oft auf der Lauer lag, aber niemanden zu Gesicht bekam. Es war wie verhext. Heimlich füllte Großvater einige Holzscheite mit Schwarzpulver, die er zuvor angebohrt hatte, anschließend mit einem Holzzapfen wieder sauber verschloss und sie unauffällig unter den Holzstoß mischte. Es dauerte nicht lange, man saß abends noch gemütlich zusammen, als plötzlich die Feuerglocke geläutet wurde. Da hat es jemanden den Ofen zerrissen, hörte man es rufen. Warum, konnte sich keiner erklären. Schnelle Hilfe war angesagt. Die Feuerwehr hatte Großeinsatz, sie griff beherzt zu, so dass nur geringerer Sachschaden entstand.

Lange wurde unter den Leuten noch gerätselt, warum es zu dieser Ofenexplosion kam. Da muss man schon mit besonderem Brennholz heizen, vielleicht mit zuviel Kienspänen, meinten andere.

Bis heute hat es noch niemand erfahren, erzählte es mir meine Mutter. Für uns war wichtig, wir hatten unsere Ruhe, und Großvater brauchte sich nicht mehr auf die Lauer zu legen.

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Ein Beitrag zur Heimatgeschichte - von Karin Hottner

Der Kohleabbau in und um Wackersdorf durch die BBI AG hatte in vielerlei Weise auf die Ortschaft Wackersdorf und seine Bevölkerung einen nachhaltigen Einfluss. In den unterschiedlichsten Bereichen konnte und kann man die Auswirkungen und Einbringungen des Unternehmens erkennen.

Mit der Entstehung zweier Kolonien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Ort Wackersdorf erweitert. Dabei grenzten diese neuen Siedlungen nicht direkt am Ort an, sondern lagen etwas abseits, östlich und westlich des Dorfes. Hinter dem Bau der Kolonien stand immer die BBI, die um das soziale Wohl ihrer Arbeiter bemüht war, damit aber auch das Wackersdorfer Ortsbild durch Bauten beeinflusste.

 

Die Ostkolonie

Alt-Wackersdorf und die Ostkolonie, bearbeitet
    Alt-Wackersdorf und die Ostkolonie, bearbeitet

Kurz nach der Gründung der BBI wurde circa 800 Meter östlich der Ortschaft Wackersdorf die Ostkolonie gebaut. Die Belegschaft der BBI, die 1906 aus 111 Personen bestand, war nach drei Jahren des Kohleabbaus auf das Dreifache angewachsen (Vgl. Suckert, Braunkohle, S. 99.). Ein Massenquartier im Ort Wackersdorf für die Arbeiter, das zwar hygienisch einwandfrei war und auch unweit des Werkes lag, konnte keine Unterkunftslösung auf Dauer sein (Vgl. Oertelius, Die Braunkohlen-Industrie, S. 23.). 1907 wurden Pläne für die Arbeitersiedlung angefertigt (Vgl. StA A, Bezirksamt BUL 21223.) und schon 1908/09 entstand die Arbeitersiedlung Kolonie-Ost (Vgl. GW 322.). „Ein neues „Dorf“ [wurde] ohne Rücksicht auf die fehlende Infrastruktur aus dem Boden gestampft.“ (Blank, Museumslehrpfad, S. 57.) 21 Häuser mit 34 Wohnungen und dazugehörenden Gärten boten Unterkünfte für die Bergleute und deren Familien. Auch einen Konsumverein besaß die Siedlung. Ein freier Platz inmitten der Kolonie konnte von den Kindern zum Spielen und Tummeln genutzt werden. Hauptsächlich qualifizierte Arbeiter, in denen man die „Garanten für eine positive Betriebsentwicklung“ (Weigl, Industrie, S. 53.) sah, hatten in der werksnahen Siedlung ihr neues Zuhause. (Vgl. Weinauer, Werk Wackersdorf, S. 556., Vgl. dazu auch Weiß, Wackersdorf, S. 174., Vgl., dazu auch Rappel, Wackersdorf, S. 249., Vgl. dazu auch Weigl, Industrie, S. 53.)

Der Ort Wackersdorf war binnen zweier Jahre um eine komplette Siedlung gewachsen. Etwa ein Jahrzehnt später sollte eine weitere Kolonie, dieses Mal im Westen, das Dorf vergrößern.

 

Quellen:

Gemeinde Wackersdorf: 322. Ortsbroschüre und Ortsplan. Geschenkartikelbestellung. Gemeindechronik.

Bezirksamt Burglengenfeld. 21223. Arbeiterwohnhäuser der Gewerkschaft in Wackersdorf. 1907.

 

Literatur:

Blank, Gottfried, Museumslehrpfad Wackersdorf-Steinberg. Begleitheft zum Museumslehrpfad zwischen dem Heimat- und Braunkohlenmuseum Steinberg und dem Industriemuseum Wackersdorf. Dokumentation der Lehrpfadinhalte, Nabburg 2001.

Oertelius, Franz, Die Braunkohlen-Industrie der Oberpfalz, München 1906.

Rappel, Josef, Wackersdorf. Das Werden einer modernen Industriegemeinde, Amberg 1974.

Suckert, Ludwig, Wirtschaftsstandort Wackersdorf, Wackersdorf 2000.

Weigl, Julia, IndustrieKulturGeschichte im Landkreis Schwandorf, Regensburg 1994.

Weinauer, Rudolph, Das Werk Wackersdorf der Bayerischen Braunkohlen-Industrie A.G. in Schwandorf (Oberpfalz), in: Jahrbuch der bayerischen Wirtschaft 1926, Stange’s technischer Beratungsstelle München (Hg.), München 1926, S. 549-558.

Weiß, Hans-Peter, Wackersdorf im Strukturwandel. 850 Jahre Ortsgeschichte – 50 Jahre Umsiedlung, in: Landkreis Schwandorf, Jahresband zur Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf. 12./13. Band – 2001/2001, Amberg o.J., S. 172-184.

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